Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
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6 Alte und neue Zeit. sehen getrieben: die Lage des Juden soll verbessert werden, und man findet das nächste Auskunftsmittel darin, ihn zum Abfall von seinem Glauben zu veranlassen! Und Saurau zählte, wie sich später bei dem Baue des jüdischen Tempels in Wien erwies, zu den Bessergesinnten! Aber man kannte damals nur Untertbanen; der Mensch zählte nichts, in den Augen der im Absolutismus grossgezogenen Staatsmänner gab es nur Herrscher und Beherrschte, der Mensch mit und in seinem Rechte war nicht gekannt, er gehörte der Kaste an, in welche die Staatsweisheit ihn eingereihet: und zu welcher Kaste zählte sie den Juden! Das neue Oesterreich ist von solchem Frevel an dem Geheiligtsten des Menschen fern, das neue System will sich seinen Grundlinien nach auf Anerkennung der freien Willensbestimmung auf bauen, Gewissens - und Glaubensfreiheit, an die kein Eingriff sich wagen darf, sind ihm die Grundpfeiler, des Staates. — Saurau wollte ferner in der Schule den Weg zur Besserung der Juden finden, aber auch hier blickt bei ihm der Hintergedanke der Proselytenmacherei durch: welcher Umschwung im neuen Oesterreich! Das Unterrichtswesen seufzt zwar noch unter dem Drucke des Baeh'schen ׳Nachlasses, des Coneordats: die Schule hält sich jedoch von Bekehrungsgedanken fern. Heben wir vielmehr hervor, dass, während in dem gebildeten und nur mach ״moralischen Eroberungen“ strebenden Preussen manche Gymnasial- und Realschuldirectoren sich es zur angelegentlichen Aufgabe machen, die jüdisehe Jugend zur Verletzung ihrer Sabbat- und Feiertage zu drängen, die österreichischen Gymnasien und Schulen die schonendsre Berücksichtigung vorwalten lassen und offen den von jedem, von vorgefasster Meinung und schulmeisterlicher Herrschsucht freien Schulmann getheilten Gedanken an den Tag legen: der Schule muss in ihren einzelnen Discipünen das Gesammtziel der Erziehung, die Veredelung des Menschen, vorschweben, und dieses Ziel wird nimmer erreicht auf Kosten des Heiligsten im Mensehen, des religiösen Gefühls. — Auch dass an specifisch eonfessioneilen!״katholischen) Universitäten Juden Professuren bekleiden, zeigt von einer tiefen Auffassung des