Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Alle und neue Zeit. Phase getreten uncl Oesterreich seiner Palingenese entgegengehet) so datirfe von da ab ein bedeutender Um־ ,scliwung in der politischen Lage der Jaden. Es bedarf nicht erst des Rückblickes in vergangene Jahrhunderte, um zu erkennen, ,,die heutigen Tage sind besser.“ Die nächste hinter uns liegende Zeit des Bach’schen Regiments und Regierungssysteras lebt frisch in Aller Erinnerung und drängt zumeist den Juden, die mit Vertreibung von Haus und Hof und Einsperrung in das Ghetto bedrohet waren, das frohe ßekenntniss ab, es ist besser geworden. Und blickt man selbst zu besser gesinnten österreichischen Staatsmännern der früheren Zeit dieses Jahrhunderts hin־ auf, ׳so macht sich auch da die Ueberzeugung geltend, die Auffassung und Anschauung der heutigen Staatslenker Oesterreichs ist nicht nur eine humanere und Wohlwollen־ dere, sondern sie gehet von einem ganz verschiedenen, den Menschei] mit dem Rechte seiner Selbstbestimmung dem Begriffe ״Unterthan“ voranstellenden Principe aus. Im Jahre 1818 übergab die Hofkanzlei dem Kaiser Franz I. einen ,,Vortrag,“״ in welchem ausgesprochen wird: ״Im Allgemeinen ist man bei der Behandlung der Judenschaft von. der Ansicht ausgegangen, dass die Mehrheit derselden durch ihre religiösen Vorurtheile, durch den Einfluss dieser Vorurtheile auf ihre moralischen Begriffe u. 3. w. mehr schädliche als nützliche Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft seien “ Der oberste Kanzler, Graf Saurau, hielt im Allgemeinen ״den Uebertritt der Juden zu den drei christlichen Confessionen“ für den besten Weg zu ihrer Besserung, und. vermeinte, dadurch, dass der Staat es jedem Einzelnen freisteile, zum Unterhalte der Religionsdiener beizutragen oder nicht, befördere er auf eine indirecte Art den Abfall vom Judenthume und den liebertritt zur christlichen Religion, und dieses sei im Grunde das einzige Mittel, diese Menschenklasse mit den übrigen Staatsbürgern zu verschmelzen*). Solches schnöde Spiel wurde mit dem Menschen und dem Heiligsten des Men- *<) Vergl. G. Wolf ,Jsack Noa Mannheimer,“ ־ eine biographische Skizze, S. 5 f.