Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Alte und neue Zeit
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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4 Alte mul ne me Zeit. Geschichte zu schreiben, so soll nicht eine detaillirte Ueberschau der Errungenschaften, von denen diese letzten Jahre erzählen, als vielmehr eine Gegenschau, ein Gegenüberstellen einer längeren Vergangenheit und der an diesen Errungenschaften bereicherten Gegenwart diesen Jahrgang eröffnen. Bei diesen» Rückblick drängt es aber auch unwillkürlich den Blick vorwärts: darf die Gegenwart sich rühmen, am Ziele angelangt zu sein und sind ihre Erfolge gesichert? ״Sprich nicht, die früheren Tage waren besser als die heutigen,‘־ lässt ein alter Weiser sich vernehmen, und blickt der Jude auf seine politische Geschichte in den verflossenen Jahrhunderten, so bedarf es wahrlich nicht des Mundes eines Weisen, um ihm die Wahrheit: ״die früheren Tage waren nicht besser,“ und auch nicht deren Gegensatz, den Vorzug der heutigen Tage, in’s Bewusstsein zu rufen. Aber wohl ist zu erwägen: sind die heutigert Tage nur besser oder sind sie an sich gut, hat der Jude nur nicht mehr mit den Ausbrüchen eines wilden Fanatismus zu kämpfen, oder knüpft sich überhaupt an den Namen Jude nicht mehr Kampf nnd Ausschliessung? Die früheren Zeiten waren nicht besser und nicht die Menschen; es hat vielmehr die fortschreitende Cultur den Menschen veredelt, ihn, wie auch in Mancher Mund die alte Zeit gepriesen wird, dem wahrhaft Menschlichen näher gebracht, Humanität als das Ziel aller Bestrebungen erkennen gelehrt. Der Mensch ist gefühlvoller und fühlender geworden, sein Gefühl lässt sich nicht mehr'dauernd in die Fesseln eines blinden Religionshasses schlagen; aber er fühlt auch tiefer und es bedarf nicht erst körperlicher Peinigungen, um ihn zu verwunden und auf ihn nagende Schmerzen zu häufen. An der Hand dieser Betrachtung wollen wir die Geschichte der Juden in den verschiedenen Staaten überschauen und uns Antwort auf die Frage erholen: liegt das Gute der heutigen Tage nur in der Vergleichung mit den früheren, und sind also nur ״besser“ zu nennen, oder können sie an sich selbst als ,gute“ bezeichnet werden? ׳ Wir beginnen mit Oesterreich. Wie der Staat in seiner "Gesanun 1 heit durch das Februarpatent in eine neue