Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 11)
- Language
- German
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30 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph, her und Nachher aber setze schon die Zeit als vorhanden voraus. Da aber die Zeit nur. die Zahl an der Bewegung ist, so setze sie ihrerseits die Bewegung und die Bewegung ein Bewegtes voraus. Gersonides .erwidert darauf: Der Beweis für die Ewigkeit der Zeit, hergenommen aus den Ausdrücken früher und spater, sei ein sehr schwacher. Aristoteles könne aus sich selbst widerlegt werden. Er behaupte nämlich: ׳Ausserhalb der Welt gebe es keinen Baum, weil ausserhalb der Welt weder vom Leeren noch :vom Vollen die Bede sein könne. Es ist aber klar,־ dass der Ausdruck ״ausserhalb“ gerade so die Raumanschauung voraussetzt, wie die Ausdrücke ״früher" und ״später" die Zeitanschauung. In Wahrheit jedoch beweise die Schwäche und Uneigentlichkeit des Sprachgebrauch Nichts. Auch sei es nicht wahr, dass die Zeit in der Zeit entstehen müsse, wenn man das so meine, dass wenn die Zeit entsteht, vor ihrem Entstehen eine Zeit, aus der sie entsteht, vorhergehen müsse. Vielmehr ist die Zeit, welche entsteht, und die Zeit, in welcher sie entsteht, durchaus dieselbe und eine. . Anderes, das Gersonides noch beibringt, übergehen wir und wenden uns jetzt dem Theile unserer Abhandlung zu, in weh ehern er die Ausgleichung mit der Schrift und eine Theorie der Wunder versucht. Er beginnt mit der früher schon gemachten Bemerkung, dass wenn. Maimoni, wie er selbst sagt, nur um die biblischen Wunder sich erklären zu können, eine Schöpfung anzunehmen sich genöthigt sieht, eine solche Nöthigung für die Annahme einer Schöpfung aus Nichts durchaus nicht vorliegt, da die Wunder sämmtlich aus einem bereits Vorhandenen entstehen. Haben wir somit keine vermeintliche gefährliche Consequenz zu. fürchten, wenn wir die Hyle als bereits vorhanden voraussetzen, so bleibt nur noch der exegetische Nachweis , dass im ersten Capitel der Genesis wirklich eine solche Hyle voraus gesetzt wird. Gersonides macht sich daher an eine ausführliche Erklärung dieses Capitels. Wir unterlassen es jedoch, die Methode dieser Erklärung zu charakterisiren, weil uns die Besprechung der Gersonidischen Commentarien hierzu eine passendere Gelegenheit bieten wird. Wir übergehen aber auch ebenso die Einzelresultafce dieser Erklärungen, weil sie genau die durch