Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 1
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 28 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829278-2843210--06471-2843244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ץ 28 Lewi ben Gerson (Gersonides) schon zur Zeit seines Entstehens zukommen, Auch gewinnt Maimoni ■Nichts bei seiner Annahme. Denn wenn er auch den Faden der Untersuchung über das Urentstehen abschneidet, so kann er doch das nachträgliche Entstehen der Wunder, um derentwillen er ja eigentlich die Welt Schöpfung־ ,als religiöses Dogma lehrt, nicht erklären, sobald er nach Entstehung der Welt nur die Herrschaft des Naturgesetzes gelten lässt. Gersonides beantwortet jetzt eine Heihe zum Theil selbst erhobener, zum Theil von Anderen vorgebrachter Einwände gegen die Denkt)arkeit einer anfangslosen Iiyle, aus der die Welt in der Zeit entstanden sei. Von diesen Einwänden heben wir die bedeutsamsten hervor: 1) Die Schöpfung habe dann von dem Vorhandensein einer Hyle, also dem Zufall, abgehängt. 2) Die Hyle bilde ein zweites Ewige neben Gott. 3) Was habe Gott veranlasst, gerade in einer bestimmten Zeit seine Wirkung anfangen zu. lassen. Sowohl dass ihm eine neue Erkenntnis8 gekommen, als auch dass ein Hinderniss gewesen sei, seien unwürdige Annahmen. Endlich 4) ein Einwand; den wir Eingangs schon berührt haben, wie solle man sich die Hyle eine unendliehe Zeit ohne Form denken, da es ja in der Natur der Hyle liege, immer mit Form bekleidet zu sein? Gersonides erwidert: Wenn man meint, die Schöpfung sei von der Hyle bedingt gewesen, so müsse man bedenken, dass Gott durch sein Schaffen nicht vollkommener geworden und es für den Wohlthäter keine Verringerung seiner Vollkommenheit ist, wenn sich Nichts findet, was diese Wohlthaten zu empfangen geeignet ist. Dass die Hyle aber gewissermassen ein zweites Göttliches sei, ist ein unberechtigter Einwurf. Gott sei Gott um. seiner Vollkommenheit willen. Das Aller imvollkommenste, die Hyle, sei weiter vom Göttlichen entfernt, als irgend eines von den vorhandenen Dingen. Auch der dritte Einwand sei leicht zu heben, Gott schafft nicht um seinetwillen, sondern aus Gütev und Gnade. Diese Güte und Gnade, an sich nneingeschränkt, hat doch ihre Schranken von Seiten des Empfangenden. Das Hylische nämlich kann dieser Güte nur in der Zeit theilhaftig werden, und darum eben musste die göttliche Güte im Ilylischen einen Anfang nehmen. Damit ist aber die Frage, warum gerade in dieser Zeit ah ge sch ritten, weil diese Frage auf jede Zeit passen würde. Was endlich den vierten Einwand

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.