Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 1 · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 1
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 27 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829276-2829278-2843210--06470-2843243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

27 als .Religionsphilosoph, Körperlichen' aus der unkorperlichen Form denken1)? Auch sonst ist der Vergleich nicht zutreffend. Denn die Form entsteht nicht an sich, sondern ein aus Form und Materie Zusammengesetztes entstellt aus Etwas, das eine gewisse Möglichkeit hat, die Form zu empfangen. Ferner: Wie soll man sich einen leeren Raum denken, der als leerer Raum die Möglichkeit für die Welt enthielt?2) Wir müssten ja auch dann die Körperlichkeit für unendlich halten3). Denn im völlig leeren Raum kann keine Ursache liegen, warum die schöpferische Wirkung des Geistigen den einen Tlieil desselben mehr erfülle als den anderen. Aber auch eben 80 wenig im Geistigen, da der Geist an keinem bestimmten Orte ist und er daher überallhin wirkt, wo seine Wirkung aufgenommen werden kann. Anders ist8׳, wenn man durch die Voraussetzung eines Trägers für die zu spendende Wirkung des Geistes die Begrenztheit der Welt motivirt. Freilich muss dieser Träger jeder Form haar gedacht werden, und eben;darum können wir das, woraus die Welt entstanden ist, ein relatives Nichts nennen. Religiöse Gründe, uns dieser Annahme zu verschliessen, liegen nicht vor, da die Worte der Schrift wohl zur Annahme einer S chöp fung, nicht aber zur Annahme einer Schöpfung aus dem absoluten Nichts nöthigen. Auch was Maimoni zur Beseitigung der Annahme einer anfangslosen Materie sagt, dass man nämlich keinen Rückschluss von den Gesetzen des Entstehens innerhalb .der schon gewordenen Welt auf das Urentstehen machen darf4) trifft nicht. Es folgt daraus nur, dass das, was in der schon vorhandenen Welt von einem Vörhandenen um einer bestimmten ihm z u k o m~ inenden Eigen schaft willen gilt, von demselben Vorhandenen noch nicht gelten kann, bevor es eben diese bestimmte Eigenschaft hat. Was aber von ihm gilt, blos weil es vorhanden ist, abgesehen von jeder bestimmten Eigenschaft, das muss ihm *) הצורה תתן דומה למה שבעצמה ולזה תתן הצורות. הצורות הם כולם מושכלות אך איך יתן הגשמות טי יתן־ וארע. Vgi. die ähnliche״ Worte bei Spinoza, Ethic. I. prop. XV■. Schol. 2) Aristoteles .Beweis der Undenkbark eit. eines leeren Raumes siehe bei Brandis 1. L S. 758. ' 3) Dass ein unendlicher Körper undenkbar, beweist Aristoteles de coelo I, 5. Vgl. More II, Einleitung', Propos. I. 4) More II, 17.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.