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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 1 · p. Seite 24

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 1
Article
Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
Date
1862-01-01
Page
Seite 24 (sequence 5)
Language
German
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24 Lewi ben Gerson (Gersonides) ein wirkliches Dasein zuzuschreiben hinderte ihn die Betrachtung, dass ja die Vergangenheit nicht mehr, die Zukunft noch nicht existire und die Gegenwart, das Jetzt, ein verschwindender Punkt sei, der eben darum nicht sowohl als Zeittheil, denn vielmehr als Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft angesehen werden könne. Er sagt daher von ihr, sie existire blos potentiell. Dagegen bemerkt Gersonides: Der Begriff eines potentiell Existirenden kann nicht angewendet werden auf ein Vergangenes, das sich bereits verwirklicht hat. Das streite mit dem, was Aristoteles sonst potentiell existirend nenne. Wenn man daher auch mit Beeilt die zukünftige Zeit als nur potentiell existirend ans eben könne und wenn man allerdings auch von der vergangenen Zeit nicht sagen könne, sie sei jetzt real existirend, so müsse doch die vergangene Zeit als ein rea- 168 und wirklich gewordenes Quantum behandelt werden und ihr das zukommen, was von einem realen Quantum gilt. Von einem realen Quantum gelte aber nach Aristoteles eigenen Grundsätzen, dass es nicht unendlich sein könne. Gehen wir alle Quanta durch wie den Körper, die Fläche, die Linie, den Baum (man muss dabei an den aristotelischen Baumbegriff denken), so finden wir sie begrenzt. Freilich ist die Zahl der V er vielfältigung in'8 Unendliche fähig, aber nur die gedachten Akte der Vervielfältigung, die Möglichkeit im Denken, ist unendlich, das reale Besultat der Vervielfältigung ist immer Zahl, also ein Endliches und Begrenztes. Darum ist auch der Vergleich, den Aristoteles zwischen der Zeit und der unendlichen Vervielfältigungsfähigkeit der Zahl anstellt, nicht zutreffend. Aristoteles meint nämlich: Das Unendliche der Grösse und der Zahl kann realiter nicht existiren, wohl aber der Möglichkeit nach. Darnach ist aber nur die unendliche Vervielfältigungsfähigkeit der Zahl zu verstehen, nicht aber die Unendlichkeit der Zeit, die wenigstens als vergangene Zeit ein reales Quantum ist. Ausserdem, fährt G. fort, kann sich unter Voraussetzung einer unendlichen Zeit und mit Zugrundelegung des Satzes, dass ein Unendliches nicht grösser ist als das andere, die Ungereimtheit erweisen lassen, dass es einen Unterschied in Schneiligkeit und Langsamkeit der Sphärenbewegungeu nicht gebe. Denn da die Zahl der schön vollbrachten Umläufe, sowohl der langsameren als der schnelleren Sphären, unendlich, zugleich

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