Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 4)
- Language
- German
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23 als Religionsphilösoph. heit hinsichtlich[der Grösse, der Bewegung, der Durchsichtigkeit und andere5 Verschiedenheiten1). Folgt aber daraus mit Noth wendigkeit, dass die Himmelskörper einen Hejrv orbringer haben, so. ist noch der Einwurf zu widerlegen, dass* man. ja die Himmelskörper möglicherweise als die Wirkung eiäes Wirkenden und dennoch als unentstanden ans eben könne, jndem man nämlich diese Wirkung sich als eine anfangslose und [beständig sich fortsetzende denkt. Gersonid.es meint, dergleichen könne nur von Accidenzen behauptet werden, wie beispielsweise von der Bewegung, ungereimt sei es aber, Substanzen in fortwährender Entstehung zu denken. Die Ungereimtheiten, die sich'ergeben, seien folgende: Die Himmels-, körper müssten in'8 Nichts verschwindenj um den neuen, aus Nichts entstehenden Platz zu machen. Denn zu sagen, dass Gott die späteren Himmelskörper aus den je früheren macht, gibt keinen Sinn, da dann keine neue Wirkung, sich ergäbe, insofern die Himmelskörper immer in •einer und derselben Weise, existiren. Eine zweite Ungereimtheit ist, dass die Himmelskörper in demselben Augenblicke entstehen und vergehen müssten. Denn zu sagen, sie entständen in einem Zeitmoment und verschwänden im anderen, hiesse die falsche Behauptung aussprechen, dass weder Zeit noch Bewegung continuirlich seien. Es gibt demnach für Substanzen nur die Alternative, sie entweder für überhaupt un ehtst an den oder-für einmal entstanden zu denken. Nachdem Gersonides so die Nothwendigkeit, die Himmelskörper als entstanden zu denken, glaubt nach gewiesen zu haben, will er diesen Nachweis durch den anderen ergänzen, dass auch die Zeit zu den geschaffenen Dingen gehöre. Man weiss, was für ein widerhaariger Begriff der Zeitbegriff ist, und wie zwar schon Aristoteles die rein ideelle Seite der Zeit erkannt, aber ihr dennoch eine zwischen der reellen und ideellen in der Mitte liegende Existenz zugeschrieben hat. Er thut das, indem er auf die Zeit die ihm so geläufigen Unterschiede des potentiell und actuell Existirenden anwendet. Ihr J) Der Kundige erinnert sich eines ähnlichen Arguments bei Maimouides. Vgl. More hTebuchim II, 19 ff. und unsere Abhandlung: Die Religionsphilosophie des Maimonides S. 17. Der Vergleich der ange• führten Stelle setzt auch den Sinn der hiesigen in das rechte Licht.