Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Lewiben Gersoii ,(Gersonides) ten Ansichten über Ewigkeit oder Entstandenem der Welt, setzt in der Kürze die Ansicht des Plato nach damaliger Auffassurig, die Ansicht des Johannes Grammatikus (Philoponus), der über diese Materie gegen Proldus geschrieben, nach den Anführungen bei Averroes auseinander, und führt dann weitrau־־ figer die Meinung des Aristoteles nebst den Beweisen an, die dieser für die Ewigkeit der Welt vor gebracht hatte. Im Grunde jedoch glaubt er nur dieser letzteren Ansicht sorgfältige Pechnung tragen zu müssen und führt seine Untersuchung, indem er beständig mit den aristotelischen Gegenbeweisen sich auseinändersetzt, dagegen nur gelegentlich aüf das von Anderen Vorgebrachte Rücksicht nimmt. Er geht von dem Gedanken aus, die Merkmale eines Entstandenen oder Entständlichen als solchen aufzusuchen, um darnach beurtheilen zu können, ob die Welt wie ein Entstandenes oder wie ein Ewiges sich uns darstellte. Wenn wir, meint er, auf die jedem Entständlichen als solchem zukommenden Eigentümlichkeiten achten, so ergeben sich drei. 1) Nur vom Entständlichen und Entstandenen kann man sagen, es habe einen Zweck. Vom Unentstandenen einen Zweck seines Vorhandenseins angeben, ist widersprechend. 2) Am Entstandenen• kann sich ein nicht unmittelbar aus seiner Natur Fliessendes und zu Erklärendes finden, weil man sich auf die Intention des Hervorbringenden berufen kann, am Unentstandenen muss Alles notwendig sein. 3) Am Entstandenen kann sich Etwas finden, was um eines Anderen willen da ist. Am Unentstandenen hingegen kann wie von keinem immanenten,־ so auch von keinem transscendenten Zweck die Rede sein. Prüft man nach diesen Kriterien die Welt, so ist leicht ersichtlich, dass zunächst die Einrichtung ujid Ordnung der Hirnmeiskörper so zweckmässig übereinstimmt mit den von ihnen zu erzielenden Wirkungen in der diesseitigen Welt, dass das erste und dritte Kriterium eines Entstandenen, die Möglichkeit nämlich, einen Zweck desselben anzugeben, für die •Himmelskörper zu Tage liegt. Aber auch das zweite Kriterium trifft zu, dass sich nämlich an ihnen Dinge finden, die aus der Naturnothwendigkeit nicht erklärt werden können, wie Verschieden-