Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
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als Religionsphilosoph. 21 Wunder und keine Gesetzgebung, keine providentieile Wahl eines Volkes, einer Person, einer Zeit. Anders dagegen stehe es um die Ansicht des Plato3), der die Materie zwar für ewig, aber den Himmel für geschaffen halte und deshalb den Glauben an eine freie Ursache nicht zerstöre. Von ihr entferne er sich nicht aus religiösen Bedenken, sondern weil philosophische Gründe ihn zu ihrer Annahme nicht nöthigen. An diese Erklärung Maimoni’s nun knüpft Gersonid.es an. Er trennt die Frage, ob die Welt ewig sei oder geschaffen, von der anderen Frage, ob sie aus Nichts oder aus einer im aristotelischen Sinne vorauszusetzenden ewigen Materie in der Zeit entstanden sei, und entscheidet sich, indem er selbstständig untersucht, ob die vorhandene Welt auf eine freie Ursache führe, in der ersten Frage für Maimoni. Was die zweite Frage angeht, ob nämlich für die in der Zeit geschaffene Welt ein ewiges Substrat, eine Materie, vorauszusetzen sei, so ist er nicht blind für den Widersprach, der darin za liegen scheint, eine Entstellung in der Zeit anzunehmen und dennoch den Träger, die Möglichkeit für die Entstehung, ewig zu setzen. Wir werden jedoch der Art, wie er diese Schwierigkeit heben zu können glaubt, im Verlaufe begegnen־ Es versteht sich, dass Gersonides sich auch ausserdem veranlasst sieht, seine von Maimoni abweichende Ansicht über die Weitschöpfung als schriftgemäss nachzuweisen, so dass er als Ergänzung seiner philosophischen Erörterung des Gegenstandes eine Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte folgen lässt, die in Inhalt und Methode an seinen Thoracommentar erinnert und als Schluss des Milchamot zu demselben überleitet, und dass er zugleich, als nach Maimoni mit der Frage über die Weltschöpfung auf’s Innigste zusammenhängend, die philosophische Denkbarkeit der Wunder bespricht. Wir versuchen jetzt, in möglichster Kürze wenigstens die Hauptzüge der weitläufigen Abhandlung zu reproduciren. Nach der ihm geläufigen Methode beginnt G. mit Aufzählang und vorläufiger Prüfung der von den Früheren aufgestell- *) Es versteht sich nach damaliger Auffassung der bezüglichen Stellen im Timäiis. Vgl. unsere Abhandlung, Die Religionsphilosophie des Maimonides, S. 14, Note 3.