Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlaglichter
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
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Schlaglichter. 7 Gewalt seit Jahren jede freiere Regung mit eisernem Arm niederhielt. Russland trat spät in die Reihe der modernen Staaten, und erst in dem milden Alexander!, lernte Europa einen Fürsten ehren, der Höheres als seinen Willen kannte. Seinem Nachfolger Nicolaus war vorgefasste Meinung ’die Richtschnur; wir verbleiben auch hier nur auf dem Bo■* den, auf dem dieses Blatt sich ausschliesslich bewegt, und bemerken, er bezeichnete seinen Regierungsantritt mit Austreibung der in Petersburg angesiedelten Juden. Das Jahr 1831 brachte den Aufstand der Polen; die Juden standen zu Russland. Der Aufstand wurde nach heftigem Kampfe unterdrückt, die Russen zogen als Sieger in Warschau ein; als Anerkennung für ihr loyales Parteiergreifen wurde über die Juden eine Reihe von Leiden verhängt, wie sie nur die traurigste Zeit ihrer Geschichte erzählt. Kinder wurden im zartesten Alter ihren Eltern für immer entrissen, um sie in den entferntesten Militärcolonien erziehen zu lassen; die Juden wurden aus. den Dörfern vertrieben, um in Städten zusammengepfercht zu werden, und mussten ferner ihre Wohnsitze im Umfange von dreissig Werst von der Grenze aufgeben; es wurde, was nur an Plackereien, die sich bis auf die Kleider, ja sogar bis auf das Haar der Frauen erstreckten, ersonnen werden konnte, gegen sie geübt. Den letzten Grund hierfür bildete das: teile est notre volonte. So wird nun ganz begreiflich, was das beendigte Jahr brachte. Die Juden sahen sich von den Polen angefeindet, diese rechneten ihnen ihre Parteinahme als Verrath an, und von den Russen mit despotischem Fusse getreten und zertreten, von dieser Seite kam ihnen nur der Ausdruck des tiefsten Hasses und der Verachtung des Menschlichen im Menschen entgegen. Die Bewegung des vor. Jahres erblickte sie auf Seite der Polen. Polen hatte ihre Väter in der Treibjagd des Mittelalters nicht zurückgewiesen, Russlands heiliger Boden öffnet sich ihnen noch heute nicht; Polens Könige haften es nie auf ihre Vertilgung abgesehen, ein Russland beherrschender allmächtiger Wille hatte sie in grenzenlose Verzweiflung gestürzt, ihnen ihre Kinder entrissen; Polen war ihnen zuweilen günstig gewesen, Russlands Ungunst ver-