Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlaglichter
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
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6 Schlaglichter. 1848, das ihnen Erlösung von den sie drückenden Bürden verhiess, sah den grössten Theil von ihnen zu ihrem Kai- 8er stehend. Da ward ihnen, nachdem die Bewegung niedergeworfen war, zum Lohne für ihre ausdauernde Treue, das Bach’sche Provisorium, es wurde ihnen die Aussicht auf Ghetto und ehemalige Beschränkungen wie־ der eröffnet; die neue Aera, die sich vorbereitete; Concordat und klerikale Allgewalt, verhiess eine neue ver mehrte Auflage des Juden Verminderungspatents. Aber das schon in seinem Erbaue nicht auf dem Wohle der Völker basirte Staatsgebäude musste Zusammenstürzen; sie suchten es zu übertünchen, der Zeitströmung konnte es nicht widerstehen und man ruft: ״wo ist das Gebäude und wo die, die es lügenhaft übertünchten?“ — Ein wackerer Baumeister sucht nun wieder aufzurichten, doch ״die Sünden der Väter werden geahndet,“ es will seinen ernstesten Bestrebungen kein Vertrauen entgegenkommen. Aus dem, was das Jahr den Juden Oesterreichs zu bringen hatte, ist zu beurtheilen die Berechtigung des allgemeinen Verlangens nach neuen Grundlagen des Staates. — Es legen nun die verschiedensten Bauleute Hand an’s Werk; bauen sie nicht trotz des vor ihren Augen erfolgten Ein- Sturzes auf dem breiten Grund des Rechts und der Gleichberechtigung aller Confessionen auf, so wird die Ahndung nicht bis auf kommende Geschlechter auf sich warten lassen, dann ist nahe der Tag, wo sie beschämt gestehen, dass sie zum Auf bauen unfähig, nicht berufen sind, das Recht der Nationalitäten geltend zu machen. Russland, nach seiner Verfassung bisher in einem Willen aufgehend, stehet, wie alle Zeichen verkünden, am Vorabend einer grossen Umwälzung. Der Gedanke, das Gesetz, nicht Autokratismus und Militärherrschaft, soll den Staat regieren und lenken, ist Vielen zum Bewusstsein gekommen. Der Weg zu diesem Ziele führt durch heftige Kämpfe, und erst nach einer langen Reihe von Jahren dürfte aus dem mit Strömen Blutes getränkten Boden Russlands diese Frucht in ihrer Reife erstehen; doch erdrückt kann sie nicht mehr werden, das Freiheitsgefühl ist um so heftiger erwacht, als eine unbegrenzte