Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Rückblick
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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Der Rückblick: 15 Rationalismus setzen?. Ihnen gehet, so sagt es der prüfende Blick, der Glaubensernst und die Glaubensdurchdrungenheit ab, daher auch den Reformen die Lebensfähig-, keit. Und nicht minder für die Abwesenheit jedes heiligen Gefühls sprechend, ist die Weise, wie die Glaubens- Wissenschaft von dieser Seite ihre Vertretung findet: es wird mit dem frivolsten Leichtsinn an die heiligen Urkunden gegangen, wird ihnen selbst der den Werken profaner Schrifsteller sorgsame Ernst nicht gewidmet: das Forsehen ist tendenziös , der Schrift die Autorität entzogen, nun kann das Reformiren ungenirt vorwärts gehen. Nicht wenig lächerlich ist, dass sie sich als Märtyrer geriren. Dieses Epithet wollen wir den alten Rabbinen, obschon sie nicht hierauf Anspruch machten, zugestehen; jenen Männern, die, mit der grössten Entbehrung kämpfend und jeder Bequemlichkeit. entsagend, Erhaltung des Glaubens zu ihrer Lebensaufgabe machten, sich rücksichtslos dem Glauben und dessen Verbreitung und Befestigung im Herzen des Volkes hingaben. Von den als Märtyrer sich gerirenden Männern des Umsturzes ist noch nicht bekannt geworden, dass sie ihrer Ueberzeugung je ihre Stelle geopfert; bei ihnen tritt die Ueberzeugung gewöhnlich erst nach der eingenommenen Stelle ein. Doch genug: von dieser Seite kann dem Judenthum weder Heil noch Haltbares erwachsen. Also vielleicht von der andern Seite, wo jeder nur irgend fromme Brauch als wichtiger Factor des Religionsgebendes betrachtet wird? — Zweierlei ist hier in Erwägung zu ziehen. Das Judenthum, wie es in Mischna und Talmud vorliegt, gestattete Geheimlehre und Symbolik keinen Einfluss auf die religiöse Gestaltung: von den ältesten Lehrern ab, die der Forschung über Maase Merkaba oblagen — wir erinnern an R. Jochanan ben Saccai und seine Schüler — bis zu den spätesten mit Hilchol Jezira sich beschäftigenden Talmudautoren wurde nie eine Verbindlichkeit aus einer Geheimlehre abgeleitet, noch durch eine symbolische Deutung irgend eine religiöse Verpflichtung aufgelegt. Die Gesetze sprechen nicht in Symbolen und Zeichen, sondern in schlichten offenen Worten. Den Brauch,