Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Rückblick
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Der Rückblick. wird die Aufgabe gelten, die Jahressehau nur über Vorgange auf religiösem Gebiete und Gemeindeleben zu berichten haben. Dieser letzten Anforderung wollen wir auch heute in einigen Worten nachzukommen versuchen. Das Judenthum stehet im Leben. Es will hinleiten auf die höchsten Ideale; aber seine Vorschriften sind nicht ideal, verlangen nicht׳ das Aufgeben des eigenen Selbst, begünstigen nicht dem Leben abgewendete Beschaulichkeit und pietistische Kopfhängerei, sondern richten sich, von den reinsten. Jedermann zugänglichen Wahrheiten den Ausgangspunkt nehmend und zu ihnen zurückkehrend, an den Menschen nach seiner Thätigkeit, die sie diesen Wahrheiten gemäss regeln, die ihnen entsprechende Lebensaufgabe in stete Erinnerung bringen wollen. Aber weil das Judenthum das Leben umspannt, kann es vom Leben nicht unberührt bleiben. Die unaufhaltsam dräugenden Zeitverhälfcnisse erzeugen einen harten Conflict. Ob und wie dieser Conflict zum Ausgleiche zu bringen sei? Diese inhaltschwere Frage findet nach ihren beiden Gegensätzen Lösung, es stehen sich zwei Richtungen äia־ metral gegenüber, deren keine Anspruch auf Billigung machen kann. Dieses stehet bei jedem von dem Ernst des Glaubens Durchdrungenen fest, das Judenthum hat Grundgesetze, die ־ nicht durch Zeit und deren Einfluss alterirt werden können: das heutige Vorwärts der .Zeit beweiset sich viel־ leicht morgen als ein Rückwärts; überhaupt kann der Zeit dem als geoffenbartes Gesetz sich ankündigenden Judenthum gegenüber nur eine sehr beschränkte Berechtigung eingeräumt werden. Auf welchem Boden befinden sich mache sog. Reformatoren, die über das ״bis wohin" sich nicht aussprechen, sich allenthalben zum ״Abschaffen" bereit zeigen, stets negiren und nur einen höchst flachen Billigkeit lind wahren Nächstenliebe geordnet werden, welche dem tliafcsächlicli unter ihnen bestehenden Frieden entspricht." Wir hoffen, diese Worte werden sich in ihrem ganzen Umfange bewahrheiten.