Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
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38 Recensionen und Anzeigen. tasievolle Anschauung gemäßer ist als verständige, aber nüchtern« Syllogismen. Zu allen Zeiten gibt es ja zwischen dem logisch besonnenen Denker und dem phantasievollen Dichter einen Streit, in dem sich beide Theile kaum verstehen. So erklärt sich nicht di« Polemik, denn die begreift sich von selbst, aber die- Unterschätzung, die sich in früherer Zeit Abraham ben David gegen Gebirol zu Schulden kommen läßt. Nachdem nun die Richtung des Abraham ben David und ähnlicher Männer in Maimonides ihren größten und klassischen Vertreter und Vollender gefunden hatte, entstand die neuere Kabbala aus allen den der, Maimonidischen Richtung feindseligen Elementen. Und zwar sehen wir die Reaction, von der wir sprachen, in der Zugrundelegung des Mystischen statt des Logischen, des Neuplatonismus statt des Aristotclismus. Und die Nachahmung darin, daß die Kabbala nach der Zeit des Maimonides ja eigentlich nichts weiter ist als die Ausgleichung des Neuplatonismus mit den jüdischen Religionsquellen, gerade wie der More die Ausgleichung des Aristotelismus mit derselben Quelle ist. Daß die Ausgleichung in den Systemen der Kabbala schrankenloser und willkürlicher ist, liegt im Wesen dieser Richtung. Daß man ferner, um mit einem Gegner wie dem More fertig zu werden, auf die Ausflucht kam, durch Pseudepigraphien die in der Hauptsache neuplatonische Speculation als altjüdisch, als traditionell, kurz als Kabbala zu erklären, ist begreiflich. Daß aber bald an die Stelle der Absicht Naivität kam, ist ebenso erklärlich. In Werken wie das NVDXN ספר von Schcmtob und ähnlichen zeigt es sich handgreiflich, daß wir in der Kabbala einerseits und in der durch Maimonides herrschend gewordenen Richtung andererseits zwei schroff sich entgegenstehcnde p h ilosop hisch e Richtungen haben, wie ja wiederum dasselbe sich herausstellt in den mit Bewußtsein vollzogenen Versuchen mancher Kabbalisten (Jsaac Jbn Latif), beide extreme Richtungen zu vereinigen. Doch ist hier nicht der Ort, auf diese Dinge näher einzugehen. — Der Vers, bespricht iherauf den Einfluß, den Gebirol, um die Mitte des 12. Jahr- Hunderts von Dominikus Gundisalvi mit Hülfe eines Convertiten, Johann Avendeath, in's lateinische übersetzt, unter dem corrumpirten Namen Avicebron oder Avicebrol auf die christlichen Schulen geübt. Albertus Magnus und Thomas von Aquin strengten ihren Scharfsinn an, um ihn zu widerlegen, und Duns Scotus hatte die Kühnheit, mit der gewissenhaftesten Anhänglichkeit an die katholischen Dogmen ebenso gewissenhaft die Consequenzen der Avicebronischen Theorie von der universellen Materie auf sich zu nehmen. Der Name