Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Kampf
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Der Kampf. finden, würde er nicht,durch sein inneres Wesen überzeugende Macht auf seine Bekenner auszuüben im Staude sein und be׳ dürfte er des Druckes von außen, um zusammengehalten zu wer-- den: dann wäre er einem kranken, siechen Leibe zu vergleichen, wäre mit einer Unselbstständigkeit behaftet wie die geistige und organische Welt sie größer nicht aufzuweisen hat; denn wo ist je ein Bestehen durch feindliche Einflüsse bedingt, die Erhaltung von drückender Gewalt abhängig gemacht und ziehet sie den Druck ab, erkrankt und verfällt das Gedrückte? Weg mit solcher Ent» Würdigung! Unser Glaube hat in sich seine Kraft und Lebens» dauer, er ist eine Pflanze des Lichts, kommt an ihm zur höchsten Blüthe und strahlt es selbst aus, und nicht bedarf er zu seinem Gedeihen der Finsterniß des Druckes. Der Glaube erhielt sich trotz, nicht wegen des Druckes, er blühet, wie Frankreich, Eng» land, Holland laut bekunden, froh und heiter in Licht und Freiheit. Und wird mancher von der Zeit mit ihren Forderungen hingerissen, und hat die Zeitströmung manchen edlern Unterbau unterwaschen, so hat solche Phasen der Glaube schon mehrfach gesehen; sie treten auch da hervor, wo schwerer Druck seine Bekenner beeinträchtigt; aber der Glaube kann sie getrost übersehen, sein Wesen unvergänglich, sein Wesen durch sich, durch die ewigen Wahrheiten, die es ausstrahlt, gehalten, ist auch seinen Freiheit athmenden Bekennern ein ewiges Gut, an dem unbeirrt sie im wilden Strome der Zeit halten und durch das sie auch aus diesem Kampfe mit der Zeit siegreich hervorgehen werden. Mit tiefem Schmerze gedenken wir noch eines Kampfes auf einem GebiOe, auf dem der Jude Trost und Ersatz für die ihn vielfach treffende Verkennung hoffte: aus dem der Wissenschaft. Dorthin treibt ihn ein innerer Drang, dort erblickt er ein Heiligthum, das von Vorurtheil und Parteilichkeit unbefleckt ist, die Männer, die daselbst walten, sind ihm Priester der Wahrheit und des rücksichtslosen Forschcns, zu denen er mit tiefer Verehrung hinanblickt, und diemit der Wissenschaft identisicirend er nicht anders als gereinigt nnd geläutert von jeder Schlacke des Vorurtheils zu denken vermag. Schöner unschuldiger Traum des jüdischen Jüngers, wie verschwindet er vor der Wirklichkeit! Wir wollen hier nicht an jene leidenschaftlichen Männer erinnern, auf die die Wissenschaft nach ihrem eigentlichen Wesen nicht eingewirkt, die wohl Gelehrsamkeit gehäuft, aber nicht Wissenschaft erworben, in denen der Mensch von ihr unberührt geblieben, die sich selbst