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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 1
Article
Der Kampf
Date
1860-01-01
Page
Seite 8 (sequence 6)
Language
German
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8 Der Kampf. Europas, in denen Juden leben, Das seinen jüd. Unterthanen verweigert, was den Beginn und Ausgangspunkt jeder Heimat bildet, das sog. Possessionsrecht; wir wollen nicht dem allgemein sich aussprechenden Erstaunen, daß den finanziellen Staatsinteressen nicht in dieser Gewährung Rechnung getragen werde, hier Ausdruck zu geben: wir beschränken uns darauf, die Ueberzeugung auszusprechen, sowohl Erfahrungen als der sich in neuerer Zeit auch in Oesterreich kundgebende Drang nach Vorwärts werden neue, von Negierten und vielleicht auch von Regierenden nicht geahnte Wege anbahnen, es bricht ein Tag an, vor dem die grauen Theorien schwinden. — Begrüßen wir als seinen Vorboten die in der Ernennung eines Juden znm Professor an der Universität zu Prag *) hervortretende Manifestation der österreichischen Staatsregierung, daß auf dem Gebiete der Wissenschaft die bc» engende Rückstchi auf die Konfession schwinde. Auch von Seiten des Preußischen Staates winkt nicht volle Befriedigung. DaS durch mehrere Jahre mit der Verfassung getriebene unwürdige Spiel drohete eine Rechksverwirrung heraufzubeschwören, die sogar in manchem Bessern den Wunsch nach Aufhebung dieser von allen Seiten durchlöcherten und mit dem schnödesten Hohn behandelten Verfassung rege machte. Da wurde das Wort der Verfassungstreue an höchster Stelle ausgesprochen, und um den Thron schaarten sich Männer mit dem Vorhaben, den gerechten Forderungen des preußischen Volkes Rechnung zu tragen. Auch hinsichtlich der sog. Judenfrage wurde ein strenges Gericht über das Gebühren der abgetretenen Regierung gehalten, und es wurde erkannt, daß der ״christliche Staat" diese Staatsfrage ganz aus den Fugen gedrängt und verdrängt hatte. Aber die dem Rechte und der Verfassung schuldige Genugthuung läßt noch auf sich warten. Hoffen wir, daß der, diesjährige Landtag auf eine ausweichende Antwort vom Ministertische her nicht eingehen und auf rückhaltlose Erfüllung dessen dringen werde, was er in seiner überwiegenden Majorität erkannt: nach dem Buchstaben der Verfassung muß dem Juden der Staatsdienst unbedingt und unverkümmert offen stehen. Doch haben die Debatten auch des dem Juden freundlich gesinnten 1) Der Prediger Dr. I. Kämpf in Prag wurde zum Professor der semitischeu Sprachen an der dortigen Universttät ernannt. Diese Universität zählt auch schon von früher einen jüd. Professor des Criminalrechts, D1\ W. Wessely.

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