Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Kampf
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Der Kampf. Hand der Neubau gewagt und das geräumige aus Wahrheit und Gerechtigkeit gegründete Gott und Menschen erfreuende Gebäude aufgeführt, dann ziehet der Riß sich nur um so tiefer und unheilbarer hin, bis kommen wird der Tag, ״wo stürzen wird Ilion, stürzen des Prianins hohes Haus." ~ Ein solches Bild liefert dem aufmerksamen Beobachter der in unseren Tagen entbrannte Kampf der Geister und der Gemüther. Dem Juden macht er sich um so fühlbarer, als seine Zwingburgen, deren Abbrechung doch bei weitem nicht solche tiefe Erschütterungen Hervorbringen würden, sich noch ferner, wird auch hier und dort ein gar zu alterthümliches Thürmchen abgenommen, erhalten und an sie ״um des Prineips willen" nnr die ausbessernde Hand gelegt wird. — Unser erster Blick führt uns nach Deutschland, und da findet diese Klage von vielen Seiten so gerechten Stoff. Oesterreich hat seine Juden seit zehn Jahren in ein Provisorium versetzt, das bis jetzt noch vergebens auf den Abschluß harrt. Die letztere Zeit brachte die günstige Wendung, ״ es sei den Juden das Halten christlicher Dienstboten gestattet und auch bedürfen sie bei ihrer Berheirathnng nicht der Bewilligung der Kreisämter; die Eingehung der jüd. Ehe ist mit der christlichen gleichgestellt." Welchen traurigen Rückschluß gestatten nicht diese Begünstigungen auf das, was nicht begünstigt wurde! Was dahin gegangen ist sei gern der Vergessenheit übergeben, es werde die Bedeutung ״beim Kreisamt die Bewilligung zur Eingehung der Ehe einholen" nicht in ihrer schauerlichen Klarheit vorgeführt, nicht hervorgehoben, wie diese Verordnung früherer Zeiten daraus hinzielte, die jüdische Ehre zu vermindern und den Inden entweder zu eugelgleicher Keuschheit zu leiten oder der stttlichen Verworfenheit in die Arme zu werfen; das düstere Bild ist vorübergegangeu, wir wollen kein Gedachtniß dafür haben! Aber warum bricht Oesterreich nicht ganz mit der alten Gesetzgebung, warum nicht solche Vergangenheit aus dem Buche und Leben des Staates löschen? Wahrlich, fast nie mehr als in unseren Tagen bewahrheitet es sich, daß nicht in Waffen und Heer der Schwerpunkt des Thrones liege; die Treue der Unterthanen, sie bildet Stütze und Halt. Und die Juden, deren Treue und Anhänglichkeit Kaiser und Könige von jeher belobten, werden ans die härtesten Proben gesetzt; statt des längst erwarteten Zugeständnisses der natürlichsten Rechte unaufhörlich zurückge-