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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 1
Article
Der Kampf
Date
1860-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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Der Kampf. 5 wir aus derselben Schießwarte stehen, und die wie wir des, freilich sie nicht gleich uns beengenden Druckes müde sind. Ja, uns treibt Alles nach einem freien Aufathmen: die Brust schon so lange beengt, der Rücken seit undenklicher Zeit gewaltsam gekrümmt, das Gemüth von tiefen Leiden durchfurcht; aber der Geist ist frei, der Geist stark und aufrecht durch den Glauben, durch die Freiheit, die er auf unsere heiligsten und theuersten Verhältnisse auShaucht. Er bewahrt uns frei und losgebunden von den Fesseln der Dogmen, das Judenthnm hat Denkfreiheit, ließ den höheren Geistern in sich stets den weitesten Raum, sich den Glauben mit dem Lichte ihrer Vernunft zurechtzulegen; und sie fanden sich in ihm zurecht, gelangten dorthin, wo sie an ihm sich selbst wiederfanden, ihn in seiner Klarheit begreifen lernten. DeS Judenthums Element ist Freiheit, es hat nie Scheiterhaufen errichtet; sein Lebensäther Achtung des persönlichen Rechts, eS dringt Niemandem feine Ueberzeugung auf, verabscheuet gewaltsame Bekehrung und weiset mit tiefem Unwillen Ueberredung und Verlockung zurück. Das Judenthum hat in uns die Sehnsucht nach Freiheit wach erhalten, hat in den tiefsten Leiden uns mit einem gewissen Stolz und dem Bewußtsein eines von uns eingenommenen höhern Standpunktes erfüllt: und ein Volk, das durch tausendjährige Leiden in sich den Gedanken der Selbst- Müdigkeit trägt und sich nicht durch das ׳Gewicht der an seinen Feinden wahrgenommenen imponirenden Macht und Ansehen, Glanz und Größe erdrücken, sich nicht durch sie zur Resignation und Sichselbstaufgeben drängen läßt, ist frei, hat zu jeder Zeit der Freiheit höhern Ruhm errungen. Es wird Tag werden! und drohet auch, wo je ein Strahl durchbricht, düsteres Gewölle den Horizont zu umfloren und das Licht am Himmel zu verlöschen; es wird Tag werden! schon müssen sie sich es zugestehen, die Dämmerung bricht an, es regt sich selbst in den entlegensten Thälern, in den entferntesten Alpen, es ist ein allgemeines Erwachen, ein Zufichkommen aus tausendjährigem Todtenschlaf: wird der Kampf mit der ganzen Natur eiugegangcn werden können, wird der alte auf todtem Gestein errichtete Bau sich erhalten, wenn in das Gestein selbst Leben und Bewegung kommt und die Unterlage wankt? Wohl wird dieses von der andern Seite gefühlt, und es wird hier und dort verbessert und modernisirt und den Außenwänden ein freundlicher, gleißender Anstrich gegeben; doch sind nicht die feudalen Burgen abgebrochen, wird nicht mit kühner

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