Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Kampf
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der Kampf. Seiten mit der äußersten Anstrengung gekämpft, der Boden mnß Schritt vor Schritt abgerungen werden, der Kamps ziehet sich durch vieste Jahrzehnte, vielleicht durch Jahrhunderte hin. Und Israel, den die alte Zeit so viele Unbilden fühlen ließ, ihm in der staffelförmigen Aufeiuanderschichtung von Ständen und Zünften, von großen, kleinen und kleineren Herren, von zehn- und hundertfachen Kasten, den untersten Pariaplatz anwies, kann eS anders als das Morgenroth begrüßen das diese Schichten zerstreuen soll, scheint ihm nicht von dort, wo man rm Menschen den Menschen zu erkennen verspricht, ein freundlicheres Licht aufzugeben? Des Fanatismus hin und wieder noch glimmende, zuweilen sogar von geschäftiger Hand angefachte Asche wird, wie nach so vielen Anzeichen des fortschreitenden Volksunterrichts mit Recht zu hoffen, schwerlich mehr zu loher Flamme auflodern; aber die Wuth, die sich gegen jede freiere Regung kehrt, richtet sich in erster Linie gegen uns; als ״Democraten" verschrieen begegnet uns von mancher Seite ein noch tieferer als Glaubenshaß (wie Mancher ist mit dem Stammbaum noch tiefer verwachsen als mit dem Glauben!), man haßt in uns den Juden und die jüngere Generation! Aber warum nicht mit trockenen Worten aussprechen, man haßt das eigene Unrecht? Mit dem Glauben läßt sich's nicht mehr übertünchen, jede Confesflon hat mindestens die Reinheit erlangt, daß sie zu Gottes Ehren nicht mehr unterdrücken will, und dennoch stehet man an, die seit undenklicher Zeit schuldige Sühne abzutragen: man fürchtet nicht dem Glauben, sonderndem Stande, der Stellung, oder, wie es mit einem höher klingenden Namen betont wird, dem Princip zu vergeben. Wir sind also wenigstens aus jenen finstern, mittelalterlichen Nachtgebieten auf einen menschlichen Boden, d. i. wo Ansicht gegen Ansicht, von Menschen gehegtes Princip gegen von Menschen gehegtes Princip einander gegenüberstehen, angelangt; nur wird, wo man dem Juden begegnet, der Kampf bitterer, da zu der widerstreitenden Ansicht sich unwillkürlich das eingesogene Vorurtheil, der durch Erziehung und leider auch zuweilen durch Schule großgezogen« Widerwille gesellt. ״ Wöge doch der Jude mit dem Christen Nachsicht haben, äußerte vor einiger Zeit ein geistreicher Mann, er kann über die Macht der vielen ihn von frühester Jugend umgebenden judenfeindlichen Einflüsse nur schwer hinaus". Wir wollen Siefen traurigen Trost hinnehmen, bedürfen wir doch seiner zuweilen selbst uns freundlicher Gesinnten gegenüber, mit denen