Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Prof. Dr. J. B. Roth's Reisen in Palästina
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 7)
- Language
- German
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Notizen. 38 fand ich fast!eine Verschiedenheit von der Flora der Hochebenen Judäa's bis auf׳ eine früher nie gesehene Eonvallaria und ein Rheum, das als beliebte rohe Speise der Kerekiner aus den Basaltstrichen, wo sich Sumpfboden finden soll, gebracht wird. In den beiden Bächen lebt eine Cyprinus-Art in solcher Anzahl, daß man sie mit den Händen fangen kann. Der Hauptreichthum der Leute ist Vieh, das in großen Trieben wöchentlich nach Hebron und Jerusalem ge« bracht wird; Getreide scheint genug für den-eigenen Gebrauch gebaut zu werden. Die wenigen Import-Artikel liefern Kaufleute aus Hebron und Damaskus, zu welcher letzteren Stadt man fünf starke Tagereisen rechnet. — Von den Kerekinern kann man wie von-den meisten Beduinen sagen: ״Sie kümmern sich nicht um den Sultan, — doch nehmen sie' eine Huld an." Seit vier Jahren hat der Pascha von Damaskus nicht gewagt, um dem Miri oder irgend eine andere Art von Steuer bei ihnen anzuklopfen. Wie 1854 im russisch-türkischen Kriege die Kaffen ׳in Konstantinopel und in den Hauptstädten der Paschaliks gänzlich geleert waren, versuchte der Seraskier von Damaskus für 'seinen Herrn auch bei den. Beduinen .eine Kriegsbeisteuer zu erwirken, indem er ihnen bewegliche Botschaften über den trostlosest Zustand'des Staatsbeutels zusandte. Für die Osmanli haben die moslemitischen Araber wenig 'Sympathie, die christlichen gar keine, und in dem gegebenen Falle mochte sich bei den letzteren natürlich einige Hinneigung zur andern Seite regen, aber der Häuptling Midschellh vermochte, endlich - seine Stammesgenossen, ein directes Einsammeln von׳ freiwilligen Beiträgen zu gestatten. ' Zehn Soldaten aus Damaskus gingen von einem Lager zum andern und empfingen Beisteuer in Geld oder Vieh, und es kam eine erkleckliche Summe zusammen. Die unfreundlichen Geber beschuldigen nun — mit welchem Rechte, mag dahingestellt bleiben — die Hauptbeamten in Damaskus, daß sie die realisirte Summe unter sich getheilt haben.. Ein zweites Mal möchten di« zehn Soldaten übel heim geschickt werden. Das Vorbeiziehen der großen Karavane der Mekka-Pilgrime auf der Straße im Osten (eine Tagereise von Kerek Lei dem Kastell von Kutrani), ist eine Zeit großen Gewinnes für die Kerekiner, die durchaus aller Opferfreudigkeit baar sind.: Als ich sah, daß vor der Rückkehr des'Schechs an ein Weiterreisen innerhalb seines Gebietes nicht zu denken sei, dieselbe aber ganz unbestimmt wak^ entschloß ich mich zur zweiten Stadt, weicher ich einen Besuch zugedacht, nach Tafileh, mich zu wenden, wobei auf dem kürzesten Wege, gerade nach Süden, Moab verlassen werden konnte.