Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erkennen und Verkennen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
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Erkennen und Verkennen. 13 M^richtige^Md!würdige Stellung imReligionsgebäude anweist, Eines!M dem das!Judenthum seine ungebrochene geistige׳Kraft und-seine höhere Anschauung. und Würdigung des Menschen nNd des ihm zukomwenden Rechts schuldet, Eines, das!das Juden-!thum ׳als! y.uelle: der! Wahrheit erkannt und wofür! es -stets--verkannt wurde: Me Gerechtigkeit Gottes. .Das Judenthum kann HW-MWWe- - Webeohne ׳ göttliche! Gerechtigkeit erfassen; - und darum Mputirt! man ihm einen Gott der Rache!!!׳ Einmännlicher- GM will einen, starken Gott, ein männliches, kräftiges Volk Z einen Gott der Gerechtigkeit: ein zärtlicher, süßliebender Gott!mag Frauen und Kindern zusagen,mag den im Gemüthsleben Aufgehenden, in! süßlichen Gefühlen"! Schmachtenden und Schwelgenden Erquickung und Labung bieten : der kräftige Mensch, der über das Gemüthsleben und die Gemüthswelt hinaus indas, Gebiet vernünftigen!Denkens hinemreicht, erkennt klar׳,׳ daß neben der׳ Liebe eine ihr ebenbürtige Potenz das Verhältniß des Menschen^zu Gott regelt. Nur durch Gerechtigkeit verklärt : wirkt" Liebe nach beiden Richtungen: sie führt zur Erkenntuiß und erhebt den Menschen,! ohne Gerechtigkeit geht sie über Gott und;menschliche Wirde irre.! Die-weichliche Liebe nimmt alle Formen an, als!Eingebung des Gefühls vermag sie nicht sich über Gesühlsanfchauun- -!gen5zu erheben: Dieses: der Aufschluß fürdie Erfcheinnngen des Mittelalters,!!für die Scheiterhaufen, die es im Namen des christlichen Glaubens errichtet, für! die Martern und O-nalen, die es Andersglaubenden bereitet, für den fanatischen Blutdurst und die bigote Mordlust , die jene Jahrhunderte zu den trübsten der Geschichte machen.! Man staunt, wie im Namen der Religion, die sich als.die der Liebe ankündigt, diese Menschlichkeit und menschliches Gefühl tief verletzenden Greuel verübt werden konnten! Weil;!sie ansschließlich als Liebe sich ankündigend nicht aus dem Gebiete des Gefühls heraus zu einer vernunftgemäßen Anschauung gelangt war: das dunkle Gefühl führt, bis zu einem gewissen Grade erwärmt,zur Schwärmerei, und in gesteigerter Temperatur, zum Fanatismus. Das Judenthum kannte nie Scheiterhaufen, errichtete zu keiner Zeit Jnquisitionstribunale, befleckte sich nicht mit fanatischem Mordgelüste: sein Glaube war nicht nur Gefühls-, sondern auch Vernunftglaube; seine Erkenntuiß war stets eine klare,! die dunkle Liebe erhellt durch das Licht der Gerechtigkeit: man wirft ihm' den Gott der Rache vor, hat nicht sein Glaube mehr Liebe bewahrheitet , als die Religion der Liebe? ׳