Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 5)
- Language
- German
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®riefe aus Wien. 28 Gebiete, wo die ״getheilte Gewalt" besteht, vorkommt. Ich meine nämlich Gemeinderepräsentation und Rabbiner beschränken sich gegenfestig in ihren Rechten und der eine Theil beobachtet den andern, ob er nicht מביו. גבול ist. Es wird sich im Laufe der Zeiten Herausstellen, weiche Vortheile diese neue Vera bringen wird. In England ist es Grundsatz, daß der Äriegsininister (vioilift ist, und allerdings ist der Eivilist viel ruhiger und unparteiischer m der Beurtheiiung militorischer Fragen, als der Mann des Degens. Es dürfte auch Vorrheile bringen, wenn Laien die Executive (welche? Bann und Ereonnnunieatlon u. s. w. wird doch nicht mehr verhängt! D. SH.) bei religiösen Fragen haben. Einem Vorwurfe nrvchte ich jedoch begegnen, der in neuester Zeit oft ausgesprochen wird. Man gibt nämlich vor, als müsse man gegen Hierarchie, gegen hierarchische Gelüste ec. ankämpfen. Das Iudenthum kennt keine Hierarchie und die Inden haben nie dieselbe anerkannt. Ich habe hier auf Zustände hingewiesen, wie sie in den meisten großen Gemeinden vorhanden sind. Wien zeichnet sich aus, daß es überhaupt auf religiösem Gebiete noch nicht von derartigen Spaltungen heimgesncht ist, wie andere Gemeinden; wenn auch niecht zu leugnen ist, daß die Anfänge zn allen diesen Dingen vorhanden sind. Und darum ist der Wahlact von hoher Wichtigkeit. viicem der veränderten Stellung des Rabbiners in der Gemeinde, erlauben Sie mir auch von der Neugestaltung des Gottesdienstes zn sprechen, wie er jetzt so ziemlich von den meisten Gemeindeil adoplirt wurde, der aber, wie mir scheint, an einem Hauptübel leidet: Man weiß, welche Mißbräuche bei einem Gottesdienste, wie er vor zwei und drei Jahrzehnten gehalten wurde, obwalteten, und wohl dem, der einen solchen Gottesdienst nicht durch eigene Anschauung kennt (אימהי עץ לא דאת־ כל אלה) — denn, sagen wir es gerade heraus, er war unwürdig. Man hat diese Mißbräueche abgeschafft und aus gern ärzt. Der Chasan gurgelt nicht mehr bei einer Kcduscha eine Arie aus Norma oder Robert u. s. w., und das Publicum schreit und tobt und lärmt nicht mehr. So weit gehen die Dinge recht gut. Lengneir wir es aber auch nicht, daß mit dem Schreien, Toben und Lärmen auch das התלהבות wie das כל עצמותי תאמרנה aufgehört hat. Die selbstthätige Betheiligung des Publieums beim Gottesdienste ist nicht vorhanden, und dadurch geht auch, ich möchte sagen die Friktion ab, die früher die Gemüther an- und ausregte. Jetzt hängt der Gottesdienst zumeist vom Chasan und vom Chor ab, die Versammlung ist stille, zu stille. Es ist das ein Uebel,