Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 6)
- Language
- German
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Briest aus Wien. 29 welches, je mehr die früheren Nemimseenzen schwinden oder gar nicht vorhanden sind, immer mehr um sich greisen und nachhaltiger werden muß. Man ist glücklicherweise von dein Gedanken abgekommen, als sei der protestantische Gottesdienst und die protestantische Weist mastgebend für den indischen GvIteSdieust und für jütische Weisen. Man must auch von dem Gedanken ab kommen, als würde der Chor allein, und wäre er auch noch so vorzüglich, hinreichen, eine jüdische Gemeinde andächtig zu sti,innen und ztt erhalten, llm so kläglicher ist cs aber, wo Cantor und Ehor, wie das zumeist der Fall ist, vieles zu wünschen übrig taffen. Indem ich da so viel über Rabbiner, Prediger, Eantor und Chor gesprochen habe, kann ich nicht unterlassen, des neucrbauten Tempels in der Lcopvldstadt zu gedenken. Das Aeustcre desselben ist vollständig fertig, und er bildet nach cinstimmigenl llrthcile von Fachmännern und Laien eine Zierde der Residenz, Zu bedauern ist, dast die gänzliche 'Pollendung desselben so lange verzögert wird. Wie eS jetzt hc>stt, soll zur Zeit der Wochenfasten die Ginweihung stattsinden. Der Vorstand der Gemeinde hat sich durch dieses Gottes- Haus ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Wie ich höre, wollen die Gcmeindcmitglicder dem Vorstände eine» celatanten Beweis von Anerkennung für ihre Mühe und Sorge geben. So grostartig aber auch für ::עציס ואבני gesorgt ist, so sehr steht man noch im Rückstände bezüglich der Besetzung der Stellen. Insbesondere ist die Eantorsragc eine sehr brennende. Die Aequisition Irllineks als Prediger war eine sehr glückliche. Derselbe predigt jetzt abwechselnd mit Herrn Mannheimer im Tempel, und so oft er die Kanzel betritt, legt er den Beweis ab, dast er zit dieser Stellung beruscn und befähigt ist. Es kann und wird das Zusamnrenwirken dieser beiden Männer nur von den heilsanistcn Folgen sein. An> nächsten Ehanukafeste vollendet der Kreuzerverein das zehnte Jahr seiner Wirksamkeit. Der jährliche Beitrag eines Mitgliedes ist , nämlich 8 fl, (täglich 1 Kreuzer), daher der Name, Der Zweck desselben ist arme Kinder unterrichten zu lassen und diesclbett mit dm nöthigen Schulbüchern zu versorgen. Es werden jetzt beiläufig 250 Kinder von demselben unterstützt und ist cs keine Frage, daß die Wirksamkeit dieses Vereins «in« sehr segensreiche ist. Wackere Frauen stehen an der Spitze desselben, unter welchcit die Damen Julie Schlesinger und Henriette Werthcimer hervorgehoben werden müssen.