Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829220-2829222-2842976--04005-2843016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 Briefe ans Wien. gezollt werden muß. Nach langen Kämpfen wurde endlich das Prineip gerettet, daß bei Anstellung der Lehrer (mit Ausnahme des Directors und des Lehrers der Geschichte) das eonfcssionelle Bekenntniß unmaßgeblich fei. Es waltet auch kein Zweifel ab, daß ^uden angestellt werden, da überdies hervorragende Eapacitätcn als Candidaten anstrctcn*). Ich habe mir erlaubt, zwei Beispiele anzusühren׳. ich könnte mit mehreren zu Gebote stehen, wenn ich nicht den mir zugemessencn Raum berücksichtigen müßte. Wer übrigens weiß, daß der höchste Staatsbeamte ein anderer Mann im Bureau als im Salon ist. der wird den Wirkungskreis dessen ermessen, der mit diesen Größen auf neutralem Boden verkehrt. Was die Wirksamkeit d'es Vorstandes nach Innen betrifft, so bedingt eine zahlreiche Gemeinde eine große Thätigkeit. Ich muß bei dieser Gelegenheit jedoch eine Veränderung hervorheben, die sich in neuester Zeit bei dem Verhältnisse zwischen Rabbiner oder Prcdigcr und Gemeinden Bahn gebrochen hat., Es scheint mir dieses ein sehr wichtiges Moment, insbesondere wenn inan die Consequcnzen bedenkt. Bis vor kurzer Zeit war die Wirksamkeit des Rabbiners eine rein religiöse, דן יהין, יורה יורה. Er hatte über alle Fälle, die das religiöse Leben betrafen (und was wurde nicht in dieses Gebiet gezogen?) zu entscheiden, da gab es keine andere nnd höhere Autorität, außerdem wo der Fall vorkam גדול טטיו בחכמה. Außerdem hielt der Rabbiner, wenn er eine Eapacität war, eine Jcschiba, di« Gemeinde betrachtete denselben als den טגין הקהלה und war zufrieden, wenn derselbe מחסיד יומם ולילה war. . Diese Stellung wurde in neuester Zeit verrückt und erlitt dadurch eine harte Veränderung, daß der Rabbiner Beamter wurde. Durch dieses Moment gibt das Kaleidoscop ein ganz anderes Bild. Ich halte dieses für ein sehr wichtiges Moment und weit bedeutender für die Entwicklungsgeschichte des Rabbinismus in der neuesten Zeit, als cs für den ersten Augenblick den Anschein hat. Der Rabbiner ist nicht mehr blos der Diener Gottes, er ist der Diener der Gemeinde. Wir sehen daher eine Erscheinung, wie sie früher wohl selten vorgekommen sein mag und wie sie auf politischem ') Nach neueren i» öffcntlickcn Blättern gebrachten Berichten soll di« Eröffnung der Handelsschule, an der der Berwaltungsrath einen jüdischen und «inen protestantischen Lehrer angestellt, aus viele Hindernisse gestoßen sein. D.R.