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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 1 · p. Seite 39

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1857-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Recensionen und Anzeigen. 39 find synthetische Sätze a priori, oder mit andern Worten, wie ist Metaphysik möglich, deckte mit einem Schlage die Erschleichungen auf, welche die Vernunft, so oft sie siiber das Reich möglicher Erfahrung hinausging, sich hatte zu Schulden kommen lasten. Sowohl diejenigen, welche von übersinnlichen Dingen mit apodictischer Gewißheit Prädicate ausgesagt, als auch diejenigen, welche das Uebersinnliche geläugnet hatten, stellten sich als solche heraus, welche den Vernunftgebrauch über die möglichen Grenzen desselben erweitert hatten. Die theoretische Erkenntniß langt genau bis zu der Grenze an, wo die Erfahrung selbst, weil in ihr kein letzter Erklärungsgrund liegt, auf das Uebersinnliche hinausweist. Dieses Uebersinnliche läugnen heißt um kein Haar weniger überschwänglich sein, als es durch nothwendige Prädicate bestimmen wollen. Mehr positiven Gehalt hat die Theorie nicht, mehr bedarf aber auch die Religion nicht, um ihr siegreiches Banner erheben zu können. Denn nicht in der theoretischen Erkenntniß, wie ebenfalls Kant zeigt, sondern in dem durch keine Sophistik austilgbaren Sittengesetze wurzelt die Anerkenntniß der Religion und Moral. Die Wahrheiten derselben nämlich sind keine Erkenntnisse im Sinne mathematischer Erkenntnisse und dürfen das nicht einmal sein — was hätte auch die Tugend für einen Werth, wenn alle Lebensräthsel wie ein offenes Buch vor uns lägen und wir die Zukunft des Tugendhaften wie des Schlechten mit mathematischer Bestimmtheit berechnen könnten — sondern sie sind ein Glaube, ein Fürwahrhalten. Aber wiederum kein zufälliges und willkürliches Fürwahrhalten, sondern ein solches, wozu unsere Vernunst selbst uns treibt. Die Auseinandersetzung, wie die Vernunft mit Nothwcndigkeit Willensfreiheit zu ihrer Voraussetzung und Gott und Unsterblichkeit zu Postulaten hat, des Brettern zu geben, hieße acta agere. So viel Mängel aber auch der Kantischen Ethik nachgewiesen, zu einem Theile sogar nur nachgesagt werden, sie hat das Eine geleistet, was uns das Wichtigste ist, nämlich die Vernünftigkeit unseres Glaubens an die Grundwahrheiten der Religion unwidersprechlich dargethan. Freilich wird ihr widersprochen, aber — das macht den charakteristischen Fortschritt unserer Zeit aus — nicht mehr von den stimmberechtigten Vertretern der Zeit, sondern dii minorum gentium sind es, die, weil sie den Stoff festhalten, auch den Geist in Händen zu haben glauben und so den Anblick nüchterner Schwärmer bieten. Erst wenn die Errungenschaften der jetzigen Cultur wieder einmal zu Grunde gegangen find, ist es denkbar, daß der Religion noch einmal, sei es von idealistischen, sei es von materialistischen, sei es von aus beiden combinirten Systemen ernstliche Gefahr drohe. — Wir kommen

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