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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1857-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 Recensionen und Anzeigen. ohne welche das Leben seinen Halt und seinen Werth verliert, wir meinen die Wahrheiten der Religion und Moral, einen so günstigen Stand hatten, als in der gegenwärtigen, scheinbar dem Materialismus verfallenen. Den Bestrebungen gerade der bevorzugten Geister der Gegenwart, die allen übrigen die Richtung geben, liegt die Erkenntniß zu Grunde, daß es überhaupt keine dergleichen Disciplinen gebe, von denen frühere Zeiten geschwärmt hatten, oder anders ausgedrückt, die Kantische Kritik der Vernunft ist, trotz Schelling und Hegel, mit Allem, was sie an Wahrheit enthält, nachgerade Gemeingut geworden. Daß dadurch die Religion ihren einzigen, mindestens ihren einzig gefährlichen Feind, die metaphysische Specülation, los geworden ist, läßt sich unschwer Nachweisen. Metaphysik und Religion sind geschworene Feinde, sie mögen übrigens eine unnatürliche Verbindung cingehen, oder sich offen bekämpfen. Kann die Vernunft aus ureigener Kraft das liebersinnliche erreichen und von ihm als einem gegebenen Objecte demonstrirbare Prädicate aussagen, so wird kein positiver Glaubenssatz im Stande sein, ihr Schranken zu setzen, vielmehr werden die Glaubenssäße ihren Inhalt sowohl als ihre Form von der allein maßgebenden philosophischen Demonstration empfangen. So mußte die Lehre Mosis im Laufe der Zeiten sich in das Procrustesbett Platonischer, Aristotelischer und Leibnitzischer Systeine zwängen lassen, weil man ihr— vom damaligen Standpunkte aus mit Nothwcndigkeit — die Kraft nicht zutraute, den offenen Kamps mit diesen, scheinbar unwiderleglichen, in dem reinen Aether der Vernunftsyllogismen erzeugten Lehren zu bestehen. Was half es, so oft Philosophie und Religion in einem nicht auszugleichenden Widerspruche sich befanden, diese Ausgleichung entweder zu erkünsteln, oder, wie mancher fromme jüdische Denker that, der Religion den Vorzug einzuräumen! Die Lösung nach Wahl und durch Jnconseqnenz konnte aus die Länge nicht Vorhalten. Noch schlimmer machten es unter den christlichen Theologen diejenigen, deren Wahlspruch der Satz des Anselmus wurde: credo quia absurdum. So lange man die Vernunft als adäquates Organ für die Erkenntniß der transscendenken Objecte anerkannte, mußte man sich ihren Aussprüchen fügen und hatte kein Recht, das von ihr absurd genannte nicht auch als zu glauben absurd hinzustellen. Ebenso wenig konnte die unmotivirte Ausflucht, daß die Vernunft irre leite, so lange das aus ihrer eigenen Natur nicht dargethan war, den Glauben stützen, weil diese Annahme: selbst vor Allein Glauben beanspruchte. Erft die Besonnenheit Kant's hat die Religion für alle Zeiten vor den Anmaßlichkeiten der Speculation sicher gestellt. Die von ihm aufgeworfene kritische:Frage: Wie

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