Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 Recenfionen und Anzeigen. aus die Offenbarung. Auch sie glauben wir, weil ihre Annahme vernünstig ist, weil es uns weit mehr Wunderglaube zu sein scheint, die selbstständige Auffindung des einzig Wahren, das die Metaphysik erst Nach Jahrtausenden durch Zerstörung ihrer selbst nicht ausfindcn, nur bestätigen konnte, in einer in die graue Vorzeit hineinragenden Epoche anzunehmcn, als dabei an göttliche Einwirkung zu glauben. Was es übrigens mit den Bedingungen, welche die erstere Annahme hätten probabel machen sollen, mit der Weisheit der Egypter in göttlichen Dingen nämlich, auf sich habe, ist bereits genügend aufgehellt. Dabei ist der Gesichtspunct nicht unintcreffant, daß Offenbarung keinen Sinn hätte, wenn ihre Lehren entweder mathematischen oder Ersahrungssatzen glichen. Nur Postulate der Vernunft'können und müssen offenbart werden. Denn da wir das kräftige Bewußtsein des Sittengesetzes erst dann haben, wenn wir sittlich erstarkt sind, so war allerdings die Gefahr vorhanden, daß in einem sittlich hin und her schwankenden Menschengeschlechte das Sittengesetz nie so entschieden auftreten würde, um aus ihm heraus, als von einem festen Puncte, die transscendenteN Objecte zu postuliren. Die Offenbarung schuf demnach eine objective Sittlichkeit, ein sittliches Leben. Dieses sittliche Leben wiederum warf ein Helles Licht aus die es erst ermöglichende subjektiv« Anlage zur Sittlichkeit, das formale Sittengesetz und die Freiheit. So setzte die Offenbarung die Vernunft erst in den Stand, die lieberemstimmung der offenbarten Wahrheiten mit ihren Postulatcn nachzuweisen. So viel über unfern eigenen Standpunkt, zu dessen gedrängter Angabe wir durch das zu beurtheilende Buch: ״Der Lehrbegriff der Synagoge als cxacte Wissenschaft" uns aufgefordert fühlten. Refer. weiß wohl, daß sein Standpunkt Manchem als antiquirt erscheinen wird, da man sich um die philosophischen Errungenschaften nach Kant viel weiß. Ohne jedoch den bedeutenden Fortschritt ans manchen von der nachkantischen Philosophie befruchteten Gebieten, z. B. dem der Aesthetik, der Philosopie, der, Geschichte und selbst der objectiven Seite der Ethik, irgendwie in Abrede zu stellen, glaubt Res. mit seiner Anficht nicht allein zu stehen, daß man in der Erkenntniß der eigentlichen Würzet des Religiösen und Moralischen eher zurückals sortgcschritten ist. (Schluß folgt.) -