Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Was uns noth thut
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 9)
- Language
- German
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Was Ms not(/ tfciit. 13 gingdie sowohl die Göttlichkeit wie die historische Berechtigung des Jndenthnms in Abrede stellten. Das gegenwärtige Decennium brachte wie anderswo auch ans diesem Gebiete einen Umschwung, und traurig ist, daß auch die Reaction nicht versteht das Judenthum zu heben und zu stärken! Man klagt über die zu Ende des vorigen und'am Beginn dieses Jahrhunderts lebenden Rabbitter, daß sie die Zeitereignisse und das was sie vorbereiteten nicht begriffenden klaren, in die Zukunft schauenden und sie ans der Gegenwart errathenden Blick nicht besaßen; aber sie standen wenigstens in ihrer Zeit, ihre Zeitgenossen stellten nicht an sie andere Forderungen, sondern fanden ihre völlige Befriedigung in dem'was ihnen geboten wurde. Aber wenn in unseren Tagen in Dingen, die der Glaube als unwesentlich erkennt, die Forderungen nicht Beachtuttg sinden und man statt anzunähern zurückstößt, wird da zu Ehren des Glaubens gewirkt? Der Unterzeichnete, der im vorigen Jahrzehnt in den Tagen des heißen Kampfes nicht zurückstand und mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft gegen ReforMsncht und Ueberstürzung in die Schranken trat, fühlt sich gedrungen, feine ganze Entrüstung über das Gebühren von mancher Seite auszusprechen. Er steht nun bald am Ende einer fünsundzwanzigjährigeii Amtsthätigkeit, der ihn stets leitende Gedanke war, den Glauben in dem Herzen der zum Glauben sich Zählenden zu befestigen, seine feste Stütze das Vertrauen in die Verheißung: ״Die Worte, die ich in deinen Mund gelegt, werden nicht weichen aus deinem Munde und dem Munde deiner Nachkommen und dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen", spricht der Ewige, von jetzt an bis in Ewigkeit. Dieses Vertrauen steht in ihm fest; aber wie wird von mancher Seite für diese Verheißung gewirkt? Man blicke unter mehreren betrübenden Erscheinungen ans die Vorgänge des vor. Jahres im Schoße der Berliner istaest Gemeinde. Es erhebt sich eine Opposition gegen Abschaffung des ״Bamme-Madlikin" und einiger Pijutim, Gemeindevorstand und der angestellte Rabbiner und Prediger, ein Mann, der stets in Wort und Schrift als eifriger Anhänger des orthodoxen Jndenthnms hervortrat, werden der Neologie, der Ketzerei verdächtigt, die Abänderungen, die jeder mit der jüd. Theologie und ihren Quellen nur einigermaßen Vertraute als ganz unwesentlich, mit dem eigentlichen Rituelle gar nicht zusammenhängend erkennt, werden als den Glauben bedrohende und erschütternde Neuerungen verschrieen und als solche nach oben angeschrieben.