Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Was uns noth thut
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 8)
- Language
- German
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12 Was uns nath thut. In solcher aufgeregten, sich selbst überstürzenden Zeit eine Ausgleichung des Glaubens mit dem Glauben versuchen zeigt, daß man weder den Glauben nach seiner llnpergänglichkeit, noch die Verhältnisse der Gegenwart richtig ersaßt habe: eine Gährungs- und Uebergangsperiode kann nie eine Basis bieten,. Basis und Halt sind nur im Bestehenden, lauge Bewährten zu finden. Jetzt verkündigen, daß man von diesem und jenem religiösen Gebrauche sich lvssagen könne, ist lächerliche Aufklärerei oder serviles Hingeben an die Modesucht und den Geschmack der Zuhörer; wenn die Flammen an dem Hause lecken, wird wohl kein Besonnener darangehen auszuspähen, was man vom Hausrath den Flammen übergeben könne. Die Aufgabe ist zu erhalten, den Brand durch Abwehr einzudäWnen. Wie aber erhalten? Das Wort Reactivn hat einen Men Klang, an sich gewiß mit Unrecht: nach jeder heftigen Bewegung tritt nach den Gesetzen der moralischen und physischem Welt eine Rückwirkung ein. Aber dieses ist zu bedauern, daß die Reaction häufig ihre. Aufgabe mißversteht, daß sie, statt sich daraus zu beschränken, jene heftige Bewegung zu paralysiren und ein naturgemäßes Gleichgewicht herzustellen, die Normale überschreitet und einen gewaltigen Gegendruck übt, der aus der andern Seite einen zur endlichen Action sich gestaltenden. Widerstand hervorruft. Diese Erscheinung muß zumeist auf dem Gebiete einer Konfession, der nicht Macht und Gewalt zu Gebote stehen, die sorgfältigste Beachtung finden; kann doch überhaupt das Gemüth, der eigentlichste Boden für religiöse Aussaat und dessen Gedeihen, nicht durch Machtspruch beherrscht, nicht ihm seine Bedürfnisse,von außen vorgeschrieben werden! Die Reaction muß, so sie sich selbst begreift, diesen Bedürfnissen gerecht werden: sie wirkt heilsam zurück, indem sie die Gemüther zurückführt, sie. ..muß,;.wenn; sie.die Herr-- schuft in die Hand nimmt, nicht als strenge rücksichtlose Gebieterin die Gemstther mit Gewalt beherrschen wollen, sondern ihnen liebevoll den Weg öffnen, zu ihnen, ihrem innern Verlangen hinabsteigen und sie zu sich hinaufziehen. Mit tiefem Schmerze muß die.Wahrnehmung ausgesprochen werden, daß eine Reaction im Geiste des Erhalteus bei uns vermißt wird,. Das vorige. Decenuiims.,.Haste. in,feine Fluthungeu manchen Volkslehrer hineingerissen, der in dem tiefen. Grunde der theologischen Studien nicht wurzelnd mit einem, hohlen,׳an Worten reichen, an Inhalt dürftigen Rationalismus an Reformen