Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 1 · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 1
Date
1857-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829208--03317-2842918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 Heils demselben mehr oder minder analoge Elemente birgt, andrerseitö aber wieder viele und bedeutsame Satzungen und Auslegüngen zwar mit dem Samaritanismus gemein hat, aber doch wiederum davon abweicht, sei wahrscheinlich das Product jenes Dosithäismus, welcher, so weit wir aus den spärlich darüber fließenden Quellen belehrt sind, solchen fusionistischen Bestrebungen, wie sie auch im B. d. I. zu Tage liegen, sein Dasein verdankte. Dieses hatte ich nun in meiner gedachten Schrift specieller auszuführew gesucht. Glaubt nun Hr. vr. F., daß dieß nicht ,,Fusion" heißen könne, so nenne man es ״Reform"; die Sache bleibt dieselbe. Warum aber nicht auch Fusion? Weil in einer Fusion das Alte (hier die Verehrung Gerisims, die Hochachtung Josephs im Gegensatz zu Jehuda) nicht in Abrede gestellt sein könnte! Das Wesen der Fusion besteht aber grade darin, daß sie um ihrer Tendenz willen Neues neben das Alte hinstellt oderum das Alte mit dem Neuen zu durchdringen/ manches Alte wegwirft, weil sie erkennt, daß dieses Alte, mag es auch früher als Wesentlich betrachtet worden sein, diesen Charakter doch nicht mehr hat und vielmehr hinderlich ist. Dahingegen stellt sie das Neuedas hinzutretende Element, auf gleiches Niveau mit dem beibehaljenen Alten. — Der alte Samaritanismus konnte sich in EgYPten (und vielleicht auch theilweise in manchen Gegenden Palästina's) wohl nicht mehr in seiner starren Beschränkung auf den Berg Gerisim erhalten; die Berührung mit so vielen Glaubensrichtungen erheischte einige Erweiterung seiner Glaubenödogmen und Amalgamirung mit den nicht josephinischen Stämmen. Das Bestreben, den jüdischen Glaubensbegriff, den Monotheismus, auch den Heiden einzuimpfen, mußte, neben noch so manchen äußeren Verhältnissen, eine Annährung an das viel verbreitetere und darum be-' kanntere Judenthum, besonders von Seiten des egyptischen Samaritanismus, räthlich machen. Man gab daher die hauptsächlich Anstoß erregenden Dogmen auf oder stellte sie in den Hintergrund, behielt aber die Abweichung in der Praxis vom tradirten Judenthume, so weit es bequemer oder zusagender erschien, bei. War einmal die Ausschließlichkeit Gerisims ausgehoben, wie es ja bei de Sach (a. a. O.) von den Dosithäern heißt, daß sie lehrtenman könne Gott auch in einem andern Lande als aus Gerisim opfern, so konnte wohl in einem hauptsächlich zu dem Zwecke, um Juden und Heiden für die neue Glaubensrichtung zu gewinnenabgefaßten Buche Zion als künftiger Centtalpunkt des jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.