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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 1 · p. Seite 25

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 1
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 25 (sequence 3)
Language
German
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Briefe aus Wien. 25 von der Professur ausgeschlossen sind. Die einzelnen Fälle sind eben Ausnahme und nicht Regel. Nach den, abgeschlossenen Eoncordat Ar. tikcl VII sind die Juden entschieden von dem Schrämte an Volksschule». Realschulen und Gymnasien ausgeschlossen, außer denn cs werden derartige jüdische Schulen ins Leben gerufen. Bis jetzt gibt cS bloS in Mahren, einem Theile von Böhmen und Galizien, und in neuerer Zeit auch in Ungarn nur jüdische Volksschulen, da und dort ist wohl auch ejnc Unterrealschulc damit in Verbindung. Bedenkt man die Strebsamkcit der Juden, weiß man, wie Arm und Reich unter den Juden die bedeutendsten Opfer bringt, um den Kindern eine gute Erziehung zu geben, einen vorzüglichen Unterricht ertheilen zu lassen, so kann man ermessen, wie niedcrschlagend cs auf den Juden wirken muß, daß er, am Ziele augelangt, sein Mübe» und Streben als erfolglos erkennen muß. Und wie sonderbar! der Staat hat in neuester Zeit auf dem Gebiete des Unterrichts das System adoptirt, Eapaeitäten aus dem Auslande oft mit schweren Opfern nach Oesterreich zu berufen, dasselbe geschieht auch in Betreff von Staatsämtern; und die Talente lind Eapaeitäten des eigenen Landes aber, und waren sie noch so bewährt, noch so ausgezeichnet, werden unberücksichtigt gelassen — weil sie Juden sind. Und doch sollte man die Ueberzeugung haben, daß die neue naturhistorischc Schule mit ihren 'Auswüchsen dem Ebristcntbnm mehr geschadet hat, als wenn, eine noch so große Anzahl von Juden Mathematik gelehrt batte. Wir wollen nicht der Prediger in der Wüste sein. Wir wollen daher nicht die alte Frage aufs Neue besprechen, in wie fern der Staat neben den Staatözweckcn das confessionellc Moment zu vertheidigen und zu vertreten hat. Glaubt man aber wirklich, daß ein gut katholischer Professor der Mathematik den Goetheschen Satz: Eins ist nicht drei, umstoßen werde? Gehen wir nun einen Schritt weiter. Doch erlauben wir uns früher eine Bemerkung. Es ist uns in neuester Zeit eine Besprcchung der Kompertschen Familiengeschichte ״Am Pfluge" in der Wochenschrift von Marggraf zu Gesichte gekommen. Wir fanden darin eine Ansicht ausgesprochen, die wir bereits als verschollen hielten. Wir glauben daher im Interesse der Sache daraus zurückkommen zu müsse». Der,Herr Reeenscnt fragt, welches Recht die Juden ans Gleichberechtigung hätten, ob denn der jüdische Staat so human gegen die Amoniter, Moabiter re. verfahren sei; ferner wünscht er in politicis jede Sentimentalität weggeschafft. Es ist doch wahrhaft komisch anzusehen, wenn die Herren sich aufs hohe Roß setzen und dann hin und her wanken. Gesetzt, der jüdische Staat wäre barbarisch gegen die Anders-

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