Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 4)
- Language
- German
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26 Briefe aus Wien. gläubigen gewesen, will es der heutige Staat ebenfalls sein? Trompetc» wir koch durch die papicrne Posaune von unserem Fortschritte, von unserer Humanität. Davon aber abgesehen fragen wir: Wird irgend ein halbcivilisirtcr Staat es dulden, daß Leute seinen Schutz genießen, denen Sittcnlosigkcit, Menschenopfer u. dgl. »!. als unschuldige Dinge galten? Und nur gegen solche war das harte Gesetz gerichtet. Wir wünschten, daß man gegen itmS so versabre, wie es das jüdische Gesetz für den jüdischen Staat vorschricb: ״Ein Gesetz sollt Ihr habe» für den Fremden wie für den Einheimischen". Und dabei ist zu bedenken, daß wir nicht Fremde sind. — Es ist das das Höchste, das wir verlangen, daß man uns gleiches!liecht mit den Andern gebe. Wir wollen den gleichen Antheil an dem Maße der Freibeit, das der Staat den andern Eonfessioneu zuthcilt. Mit einem Worte, wir wollen vor dem Staate und in de»! Staate zuerst und zunächst als Menschen gelten. Als Juden werden wir das Judentbum selbst zu wahren wissen. Doch kehren wir zurück. Wie ein schwerer Alp lastet auf den Juden in Oesterreich die provisorische Verfügung in Betreff des Güter» besitzcs. Abgesehen von den Wirren, die diese Verfügung in den Pro» vinze» erzeugte, wo man sie da und dort so auSlcgte, als waren sämmtliche Beschränkungen, wie sie vor dem Fahre 1848 bestanden, dadurch aufs Neue ins Leben gerufen. An manchen Orten wollte man sogar in Kraft dieser provisorischen Verfügung die Judensteuer, schmählichen Angedenkens, wieder cintreiben. In neuerer Zeit wieder will man in manchen Provinzen, wo früher kein Jude wohnen durfte, dieses Recht aufs Reue geltend machen. Doch abgesehen von den einzelnen Mißverständnissen und ungerechten Auslegungen des Gesetzes; so ist das Gesetz selbst sehr hart. Die Mutter Erde bleibt zu allen Zeiten die beste Ernährerin. Der alte Fluch: Im Schweiße deines Angesichtes x. hat sich als die Quelle des Segens bewahrt. Und doch will man diese Quelle dem Juden verstopfen. Wir wollen nicht den jüdischen Gesichts- Punkt dabei festhalten und Nachweisen, wie tief gekränkt das Gefühl des Juden sein muß, wenn man ihm das versagt, wozu man den Zigeuner in Ungarn zwingen will (und doch standen in alten österreichischen Geographien Juden und Zigeuner aus gleicher Stufe); wir wollen nicht erörtern, wie der Staat durch eine solche Maßregel den Juden zwischen Himmel und Erde stellt und seine Lebenscxistenz gefährdet. Wir wollen den Gegenstand bloS von der national »öconomischcn Seite betrachten, und so sagen wir» daß der Staat durch diese Maßregel sich selbst eine Lebensader unterbindet. Das neue Oesterreich hat das Prineip der Comurrcnz anerkannt nnd wird dieses angebahnte