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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 1 · p. Seite 24

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 1
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 24 (sequence 2)
Language
German
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24 Briefe aus Wien. Rücksicht auf ״die Blase», die die Erde wie das Wasser aufwirst". - - (LS ist auch eben jetzt ciu Wendepunkt in unseren Verhältnissen eingctreten durch das veröffentlichte Eoncordat, auf das wir im Verlause dieser Briefe zurückkommen werden. Ich will daher sogleich den Leser in inedias res führen und die verschiedenen Strahlenbrechungen zur Anschauung bringen. I. Beginnen wir mit den politischen Verhältnissen. Wenn Sie das RcichSgesetzblatt nachschlagen und die Gesetze, die Juden betreffend. Nachlesen, so werden Sic mit Ausnahme zweier Punkte nichts finden, das gesetzlich die Stellung des Juden verkümmern würde. Die Verordnung vom 2. Oktober 1852 beschränkt provisorisch den Gnterbcsilder Inden, und die spätere Notariatsordnung setzt daS christliche Bckenntniß als Bedingung fest, um ein Notariat zu erlangen. Es gibt bis jetzt kein Gesetz, das den Inden von StaatSämtcrn, von Professuren, von Advoeatcnstcllen, von höherem Militärsrang (die Gleichbercchtignng auf diesem Gebiete wurde bereits von dein fei. Erzherzoge Marl berbcigeführt, indem in Militärpässen die Rubrik Religion ausgelassen wurde) von Gemeindeämtern re. auSschlicßcn würde. In allen diesen Branchen sind Juden thätig und zwar manche, die in neuerer Zeit avancirt oder befördert wurden. Was bürgerliche Beschäftigungen, Würden und Ehrenämter betrefft, gebet Wien mit dem glänzendsten Beispiele voran. Es erlangen Juden die Zuständigkeit oder das Biergerrecht der Residenzstadt, wenn sic nur den bestimnetcn Bedingungen entsprechen. Eben so wenig werden Bedenke» erhoben gegen die Vcr« lcihnngen von Handelübefugnissen, selbst solchen, die man früher unter keiner Bedingung dem Juden gegeben hätte, wie vermischte Waaren- Handlungen re. Es gibt in Wie» unter den Handwerkern jüdische Meister. Bei allen Stellen beinahe, die Ehrenämter zu vergeben haben, befinden sich Juden. In der Nationalbank, in der Sparcasse, bei der Handelskammer, bei dein Börscnrathe, im Gcmcinderathc befinden sich Juden. Selbst unter den Herren, die von Oesterreich zur Jury bei der pariser Weltausstellung geschickt wurden, sind Juden gewählt worden. ES ist unnöthig zu bemerken, daß aus dem Gebiete der Tagesprcsse, die doch in neuerer Zeit ebenfalls eine Macht ist, viele Juden als wackere rüstige Kämpfer sich erproben und erprobt haben. — Dieses ist die Lichtseite, doch fehlt auch nicht die Schattenseite, die sehr trübe ist. Vor allem ist es eine, daß die Juden im Allgemeinen seit längerer Zeit wenn auch nicht de fürs doch de facto vom Staatsdienste und

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