Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829192-2829194-2842834--02671-2842861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19 Das jüdisch-theologische Seminar zu BrcSlau. ansznsehen war, cs werden Unebenheiten der mannigfachsten Art anSznglcichcn sein. Einen ungefähren Maßstab hierfür bietet die Geschichte der Entstehung der Schulen und Universitäten, und nicht darf zur Beurthcilung des Werdens dcö Seminars von dem gegliederte» zusainineiihängeiiden Organismus der öffentlichen bcstehenden Lehranstalten ausgcgaugeu werden. Scheu in dem Begriffe ״Werden" und ״Bestehen" ist das ganze Maß der Berfchicdenartigkeit ausgedrückt; das Bestehende hat seine Legrenznngen, seine geformten und gegliederten Gebiete, beim Werdenden verschwimmen noch viele Elemente in einander, die erst später ihren Niederschlag erhalten; das Bestehende stellt feste Forderungen und reihet das Verschiedenartige nach den vorhandenen verschicdenen Ordnungen ein, das Werdende will erst diese Ordnungen schaffen, muß das Verschiedenartige selbst, insofern nicht die einzelncn Bestandthcile zuweit auseinander gehen, zu einem Ganzen zu verbinden und aus ihm heraus durch allmaligc Analvse die Gliederungen zu entwickeln suchen. Wird hierzu noch erwogen, daß nach dem gewöhnlichen Lehr- und Stndicngangc den wenigsten Eintrctcnden Gelegenheit geboren war, sich die nach beiden Nich« jungen — der theologischen und der klassischen — - zum Eintritte in das Seminar befähigenden Vortcnntnisse anzneigncn, so zeigt sich bald das Bild der Schwierigkeiten dieses ״Werdens". Von Manchem wurde ein hinreichendes Maß klassischen Wissens mitgebracht, aber der theologische Fonds war schwach; der Andere stand auf theologischem Boden mit sicher!» Fuße, er war aber nicht weit in jenes Gebiet cingedrungen. Eiir nachhelfendes Entgcgcnkommcn war also in den Umständen, war in dem Entstehen selbst begründet; manche schöne Kraft, die sich zu Vollkommenem heranzubilden und Verdienstliches zu leisten verspricht, suchte hier eine Stätte zu ihrer Entfaltung, auf die Kunde voir der Eröffttnng des Seminars war mancher hoffnungsvolle, mit ernstem Willen und Streben ausgerüstete Jüngling hcrbcigecilt; wenn er den Anforderungen nicht ganz genügte, so lag die Vorbereitung außer dem Kreise seiner früheren Studie», und konnte nicht in der engen Zwischenzeit zwischen der Kunde, von der Eröffnung und der Eröffnung des Seminars vollendet werden. Der Gedanke an ein Experimenliren, die verschiedenartigen Bestandtheile in einander zu verschmelzen, mußte nach den vorhandenen keine Aussicht auf Annäherung bietenden Stoffen bald aufgegeben werden. Es wurde daher zu dem nahe liegenden 2*