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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 1
Article
Briefe aus Prag
Date
1855-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Briese aus Prag. nicht geringes Verdienst des Herrn vr. Kämpf, daß er in diesem Geiste fortführte und in mancher schweren Stunde für ihn in die Schranken trat. Nun hat aber der Tempel einen solchen Vorsprung gewonnen, daß die andern Synagogen ihn kaum mehr erreichen können. Er hat nämlich die bedeutendsten Kräfte absorbirt, wird von dem Theile der Gemeinde dem die rneisten Geldmittel zu Gebote stehen besucht, und es können ihm die andern Synagogen in dem Aufwande, den Einrichtung und Erhaltung erheischen, nicht gleichkommen. Zn vielen Wohldenkenden erwacht ein Schmerzgefühl bei dem Gedanken, daß unsere alten ehrwürdigen Synagogen, die weltberühmten Zierde» unserer Gemeinde, allmälig veröden sollten. Ich habe vorher der Bestrebungen des Herrn Oberrabbiners Rapoport gedacht; lassen Sie uns nun aber auch die Ausgabe des Tempels erwähnen. Er soll als Mustersynagoge dastehen, als Gotteshaus nach den: sich andere bilden. Sein Ruhm kann es daher nicht sein aus Auflösung der anderen Synagogen unmittelbar oder mittelbar zu wirken, sondern sie sollen sich an und durch ihn erheben und ueuverjüngen. Es tauchte in neuerer Zeit der Plan auf, den -Tempel durch einen Umbau zu erweitern. Es liegt hierin ein Triumph; aber soll diese Synagoge über ihre Schwestern trtumphiren, für sich einen Ruhm herbeiführen der die andern mit tiefem Wehe erfüllt, und wird sie nicht selbst emst die tiefen Folgen dieses Wehes empfinden? Durch die Erweiterung des Tempels würden den anderen Synagogen auch die wenigen Kräfte die sie erhalten entzogen werden; und cs ist daher eine weit würdigere Aufgabe des Tempels, durch Rath und That auf eine Regeneration jener hinzuwirken. Nicht sich in sich polypenartig zusammenziehen sondern das Gute verbreiten, ist Merkmal und Zeichen des wahrhaft Guten; und daß es an Empfanglichkeit nicht fehlt hierfür legt die s. g. Neusynagoge ein schönes Zeugniß ab. Es hat dort Vieles in der innern Einrichtung eine zweckmäßige und der Würde des Gotteshauses entsprechende Gestalt gewonnen: derartigem Streben, das wohl sich allmälich auch anderswo kundthun wird, soll nicht durch Monopolfucht Eintrag gethan werden. Hierbei lasse man aber auch Jedem nach seiner Weise gewähren: es werde nicht verlangt daß in jedem einzelnen Punkte, in jedem beibehaltenen oder abgefchaffteu Gebete Uebcreinstinunung mit dem Tempel herrsche: sind doch die Gemüther und das was sie anregt, beschäftigt, erhebt und befriedigt so verschieden! Daß vom Tempel der Anstoß zu Besserm ausging, daß man sich mit ihm im Principe der Erhebung und Verbesserung einigte und die Nothwendigkeit, dem Gemüthe wahrhaft Befriedigendes zu bieten, das Gotteshaus auch für das jüngere Geschlecht

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