Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829180-2842767--02072-2842801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefe cutö Prag. 21 zur Stätte der Andacht zu machen erkannte, hierin möge er seinen eigentlichen, weil würdigen nnd wahrhaften Triumph erblicken. Und nun zu einem wahrhaft erhebenden Vorgänge: er gehört der Jugend und dem Edelmuthe au. Meine früheren Briefe haben manches düstere Bild des religiösen Jngendunterrichts gebracht. In der letzten Zeit hat ein wahrhaft würdiger Mann, sein Name möge genannt werden, Herr Herz Bon di, der Cultusrepräsentanz (diese Benenuung führt setzt der israelitische Prager Vorstand) 2200 Fl. C.-M. zu dem Zwecke übergeben, um eine Schule zu errichten, wo hebräisch von den ersten Elementen an gelehrt werde. Ueberzcugt jedoch, daß mit den Zinsen dieses Kapitals nichts Wesentliches zu Stande gebracht werden könne und befürchtend daß er wenig Nachahmer finde, bestimmte dieser Ehrenmann, es möge der Repräsentanz unbenommen bleiben das Kapital selbst zu diesem Zwecke zu verwenden. Um nun aber ein entsprechendes Resultat zu erlangen wurde die Ucbereinknnft getroffen, die so gegründete Schule mit dem Bet Hamidrasch zu vereinigen: nnd hieran knüpft sich nun ein neuer Lichtpunkts Dieses Bet Hamidrasch, eine alte Schule, in welcher Kinder mittelloser Eltern im Pentateuch und talmudischer Wissenschaft Unterricht erhalten sollten, war in den letzten Dccennien ganz herab gekommen; seit einem Jahre hat cs sich durch die rastlosen Bemühungen seines neuen Vorstandes wieder gehoben. Es werden nun daselbst SO Kinder unterrichtet. Zu Beginne des Winters fand die erste ganzjährige Prüfung in Gegenwart des Herrn Rabbiners Rapoport, des Vorsitzenden der Repräsentanz, Herrn E. Wehli, Herrn Dr. Kämpf, Herrn Hospitalvorstehers I. Hirsch, der Vorsteher des Instituts und mehrerer wissenschaftlich gebildeten Männer statt, und erregte allgeineine Zufriedenheit. Freilich wurde auch in mancher Brust ein tiefer Schmerz rege, daß der Unterricht in der jedem für Judenthum Fühlenden so theuern heiligen Sprache nur in diesem kleinen Kreise zur Geltung gekommen, daß unsere Jugend ohne Kenntniß der Sprache heranwächst, in der Gott zu ihren Vätern gesprochen und in der er das Heiligthum, das Panier, das unfern Namen erhalten, niedergelegt; daß Prag, einstiger Sitz der Glaubens- Wissenschaft, einen großen Theil seiner Söhne heranwachsen sichet, die kaum deren Züge zu lesen verstehen, denen jede Ahnung, jedes Verständniß abhanden gekommen, ach! denen sie gar nicht beigcbracht wurde. Doch möge heute die Klage schweigen: kehren wir zu jenem Tröstlichen zurück und wollen wir der Hoffnung Raum geben, daß an ihin manches Gute erstarken werde, — Die Fürsorge des neu gewählten Vorstandes für das Bet-Ha-