Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 6)
- Language
- German
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10 Jahresschau. Heben wir nun eine andere bei der diesjährigen Jahresschau uns begegnende für Erhaltung und Zukunft des Judenthums einflußreiche Erscheinung hervor: das in Deutschlands Mitte für sich heranbildende Rabbiner ins Leben getretene Seminar. Als ein anderes eigentliches Merkmal des religiösen Verfalles wurde die bei den Lehrern sich kundgebende Bergesfenheit der Glaubenslehren bezeichnet; und nicht mit Unrecht machte sich in neuerer Zeit die Besorgniß geltend, das Judenthum stehe an der Schwelle einer solchen Katastrophe. Der Begriff einer specisischen Theologie war in den letzten Jahren auf mancher Seite allmälig abhanden gekommen; zu welchem fadenscheinigen Gewebe hatte sie sich in der Hand und dem Sinne mancher Vertreter hes Judenthums umgewandelt! — Judenthum ist nicht nur Nichtchristenthum, es muß einen positiven sich als affirmirende Potenz setzenden Gehalt haben; und Judenthum ist ebenfalls nicht,auf bloße Morallehren beschränkt: wohl trägt es in sich das höchste Sittengesetz verbunden mit der wahrhaftesten Gotteserkenntniß, aber es hat auch Offenbarungsgefetze die es eifrig bewacht, da sie daran erinnern daß die höchsten und heiligsten Wahrheiten geoffenbart wurden und nicht nach der subjectiven Anschauung eines oft nur laxen Moralgefühls gedeutet und umdeutet werden können. Die specisische Theologie war ihrem Entschwinden nahe: was war es das den jüdischen Volkslehrer in der letzten Zeit als solchen charakterisirte? Der Besuch der Universität und die Rednergabe? Elftere beansprucht nicht einen Platz auf jüdisch-theologischem Gebiete, und die angeborene oder erworbene Gabe der Rede hat doch erst nachzuweisen, daß sie die Berechtigung habe, mehr auf der jüdischen Kanzel als in einer Volksversammlung aufzutreten. Wohl muß auch die frühere Zeit für diese Zustände verantwortlich gemacht werden. Das Gesetzstudium hatte in vielen Rabbinern die Volksbelehrung absorbirt, dem Gemüthe und die meines abwesenden Coltegen Di. Frankel dar, und empfehle der Gnade und dem bekannten Gerechtigkeitssinn Ew. Majestät die von uns vertretenen Gemeinden." Der König erwiderte: ״Ich werde suchen den Thron mit der Liebe und Huld zu umgeben, die die Wege meines Bruders bezeichneten., Alle Unterthanen ohne Unterschied der Confessio» werden meinem Herzen gleich nahe stehen." Wahrhaft königliche Worte: und welcher wahrhafte Gottesmann, dessen erster Gedanke Vertretung des Rechts einer andern Confession!