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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 1
Article
Jahresschau
Date
1855-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Jahresschau. 7 durch den seit der! letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts die Grundsesten erschütternden Jdeenumschwung angerichteten Verwüstungen; und wenn eigentlicher Stoff zur Klage, so wird der sür die religiösen Interessen warm Fühlende sich hier schmerzlich berührt finden. Aber die Einschau bietet auch Tröstliches: sie zeigt von mancher Seite Erstarkung. Ueberhaupt darf von Entmuthigung nie die Rede sein: hat nicht der Glaube so oft er aus den Gemüthern entschwunden, so oft er dem Verbleichen, dem Erlöschen nahe schien in neuem Aufschwung, in nicht geahnter Begeisterung Zeugniß für seine Göttlichkeit, seine Unvergänglichkeit abgelegt? Die schöne Sage ״die Priester trugen scheinbar die Lade, aber sie wurden von ihr getragen" enthält den bezeichnendsten Zug der Wesenheit des Glaubens: er trägt seine Bekenner und bedarf zu seiner Fortdauer und Bestehen nicht ihrer, seine Wahrheiten sind ewig und unwandelbar; und gibt ein Geschlecht sich auf, ist in seiner Verlorenheit für ihn verloren, so wendet das darauf folgende Geschlecht, die Jrrthümer der Väter erkennend und tief beklagend, sich mit um so innigerer Kraft und Wärme ihm zu. Wer in dem großen Buche der Geschichte zu lesen verstehet, wer in ihr nicht trockene Begebenheiten sondern die in der innern Verkettung der Thatsachen sich kundthuende Offenbarung einer höhern Waltung wahrnimmt, dem bieten die auf jüdischem Geschichtsboden, von den ältesten Tagen an bis zu der Schrekkensperiode der spanischen Ferdinand und Jsäbella und noch später herab sich ereigneten Vorgänge, die reichsten Belege hierfür. Und fragen wir weiter, was ist Verfall? Dieser Begriff scheint ungemein relativ: fast zu jeder Zeit wird von den Hütern und Wächtern über Verfall des Glaubens geklagt, und nur höchst selten sind sie mit den Zeitgenossen völlig ausgesöhnt. Der eigentliche Verfall zeigt sich da wo der religiöse Jugendunterricht vermißt wird, wo ferner den Lehrern ihre Aufgabe, Wächter der Glaubenslehren zu sein, in Bergessenheit geräth. Nicht daß der gehaltlose Ton früherer Jahrzehnte mit dem Glauben spielte und ihn für einen kleinen Einsatz hingab, bildete den eigentlichen Kummer der Gutgesinnten; das Judenthum suchte nie Grund und Halt in der Zahl sondern in der Gesinnungstüchtigkeit, es ging nicht hinaus um sich quantitativ zu vergrößern, brauchte nie Gewalt oder Ueberredung, suchte nicht sür seine Wahrhaftigkeit den histori-

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