Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Jahresschau. 7 in seine Literatur, in seine Anschauung; dieses Wie ist dem Außenstehenden säst unerfaßbar, da es nicht allein (Gegenstand selbst der vorurtheilsfreiesten Forschung, sondern auch der innersten GemüthSversenkung ist. — Das 'Verhältnis; des Juden des Mittelalters >var der ruhen ttwwalt gegenüber ein tief gedrücktes; aber er fühlte sich gehoben durch die (traft des Geistes und dcS Gemüthes und sah sich über seine Verfolger gestellt. Wie verschieden von diesem Verhältnis! ist daS Verhälruis! des Juden der Gegenwart zu der Außenwelt! Gben so weit abstehend wie unsere Zeit vom Mittelaller. Erfüllt mit Ve- Wanderung für den mächtigen Fortschritt der Wissenschaften, hincilcnd mit brennendem Durste zu ihren!Duellen und sich att ihren Ausströmungen labend und stärkend, zollt er der liultur in ihren Tempeln seinen vollständigen Tribut und fühlt den tiefsten Schmerz, wenn er der Mitwelt als urinder befähigt oder urinder berechtigt erscheint. Ihm ist jetzt an der äußern Achtung gelegen: nicht weil seine innere Welt an Werth verloren, sondern weil die äußere Welt an Werth geivonneu. Ist es etwa die Zurückziehung des materiellen Rechts, was ihn so tief verletzt? Hierfür mag wohl eine (iompensaiiou ausgefunden werden, ״die die Verhältnisse befriedigend ausgleiche"; und ivird sein Richterspruch nicht in einem Dorfe gehört werden, so kann sich seine Stimme in dem Rathc der 'Väter mancher großen Stadt vernehmen lassen. Aber daß er durch AuSnahmsgcseize in den Augen der Mitivclt geächtet wird, daß er nach fahrelangem lnühsauiem Kämpfen sich wieder zurückgeworfen sieht, erweckt in ihm ein unnennbar schmerzliches Gefühl, (rs gebricht Bielen die Kraft der Väter, sich mit Verachtung zu rüsten; und der Jude hängt auch zu sehr mit allen Fasern seiner Bildung mit den Zeitgenossen zusammen, als daß er sich von ihnen losreißen und sich in seine eigene Welt zurückziehen konnte. Zwar dürfte ihm zur Beruhigung dienen, daß man ihn nicht wegen geringerer Befähigung oder eines minder vollständigen Tugendmaßes, sondern nur aus ״Rücksichten der höhern Politik" zurückstößt. Allein er ist in die höhere Politik zu wenig eingeweiht, als daß er diese Rücksichten begreiflich fände; und da Viele diese Nichtkenntniß mit ihm theilen, so beschwören die Ausnahmsgesetze wieder Geringschätzung und Zurücksetzung herauf und der Jude sieht sich von Neuem ausgeschlossen. Oder