Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 IahrcSschau, (viito? dürfte Anlas!;um Reden ,;eben: das Verhältnis! des Juden der alten, und sein Verhältnis! der neuen ,seit gegenüber. Tie alte .seil seine als Motiv der 'Verfolgung und Ausstoßung den Glaube», und sie war dein Juden nur durch rode Cderge!valt überlegen. Achtung vermachte sie ihm nicht einzustößen: dieser iir den Händen des iVtittclaltcvc; van Blut triefenden Religion set.ne der Jude seinen ererbten, die (*in beit sattes verkündenden und van einenr in alte des Erbarmens sprechenden Glauben entgegen, und er fand sich Häher stehend als seine Verfolger. Jlinen ein t^egeustand der Verachtung sein schmerze idit nicht, denn er hegte in seinem Ämtern n>ir vielem Rechte eine noch tiefere Verachtung gegen sie; und die Ausbruche der nngezähnuen Rahheit die er »in sich wahrnahm. die unaushärlichen Befehdungen, das ,vaustrecht. die Wegelagerungen Ware» wenig geeignet in ihm den Wunsch rege zu niachc», sich »ach ausieii geehrt zu sehe». Der Jude lebte in Vergleich zu seinen Versatgeru ein höheres, geistiges Leben, er kannte sich ihnen gegenüber als den 'Vertreter der Intelligenz ansehen; jene fnsite» mit gewaltiger Macht auf der Erde. er erhob sich mir Dta»enkrast zum Himmel, nicht um ihit zu erstürnreii, sondern um sich in der Welt der Geister zu wiegen, um in de» Regionen des Denkens zu schaffen und zu weben und den gottgefälligen 'Wandet zu erspähen, Es kann nicht genug hcrvorgehaben werden, das; eine Geschichte der Juden zu den schwierigsten bisher nur kaum annäherungsweise gelösten Aufgaben gehört. Die historischen rharsachen stellen den Juden als Bild des Elends und des Jammers dar; und mnsi auch das Streben menschenfreundlicher Gcschichtforscher, der Mitwelt durch sic aus Herz zu legen, welche Sühne sie den Manen der durch viele Jahrhunderte Gemarterten schuldig sei, mit Dank anerkannt werden, so machen doch diese Thaksachen nicht Geschichte: sie mnsi sich, so lange sie mit Ihrem Rahmen nur Alutspuren umspannt und in ihn nicht ein lebensfrisches Abbild von Großen einzutragcn vermag, das Geständniß ablegen, daß sie daS eigentliche Motiv der Geschichte der Juden nicht begriffen, die in deren inneren Schachten verborgenen geistigen Adern nicht entdeckt habe. Der Jude war verfolgt, verachtet; aber der Kern seiner Geschichte liegt darin, daß er um so mehr sich selbst achtete. Das Warum gibt schon eine Ahnung seines Bewußtseins an die Hand, das Wie gibt das Einleben in ihn.