Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Essäer nach talmudischen Quellen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 10)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 39 den Anführungen Sammai's und des N. Dosa tritt also ein Effäer als Lehrer auf: er trägt Lehren, Halachas, vor^): der Effäer war also nicht nur Ascetiker, Enthaltungen und geheimen Betrachtungen obliegend, sondern er hat auch seinen Sitz im Lehrzimmer, ist einer der alten Soferim (סופרים), der im Gesetze forschenden und es erklärenden Weisen (חככדם). Diese Halachas des Choni (es sind ihrer vier) haben auch ganz das Gepräge der Forschung, die bei den talmud. Lehrern wahrgenommen wird: sie. wird nicht durch gewisse Zwecke bedingt, das Motiv ist nicht die aus Erschwerungen nur hinzielende ängstliche Frommigkeü, sondern es wird frei geforscht, und was sich als Resultat ergibt wird als - leitende Norm, erleichternd oder erschwerend, angenommen. Von diesen vier Halachas bringen zwei Erleichterungen (Jabamot a. a. O.) und eine zeichnet sich als Lebensfrage im Eriminalrecht aus* 2 3). Verfolgen wir nun den Essäismus nach einer andern Richtung. Nach dem unbestreitbaren Einflüsse, den nach einem unbegreiflichen Connex zwischen Seele und Körper der irdische Theit auf den überirdischen übt, wurde von. jeher Enthaltsamkeit als Unterlage der metaphysischen Forschuug, als Bedingung der Erhebung zu transcedentalen und transcedenten Gebieten betrachtet. Und was an sich eine im Grunde nicht zu mißbilligende Bedingung, wurde häufig als Berechtigung angesehen: der sich in den engen Schranken strenger Enthaltsamkeit Bewegende hat das Vorrecht, sich mit höheren metaphysischen Untersuchungen abzugeben und ihre Lösung zu finden : er entfernt sich von der Erde, und stehet um so viel dem Himmel näher. Diese im Merthum bei den Gymnosophysten Indiens, den Pythagoräern, den dacischen Polisten u. A. wahrzunehmende Erscheinung gibt Ausschluß über eine neue Seite des Essäismus. Der Essäismus hielt sich beim täglichen Genüsse aus einer Halachas dieses Sitzen ff., um zu verstehen zu geben, daß sein Bericht genau und ohne Namensverwechselung sei. Vgl. auch Jebamot 98 a. 2) Sowohl die talm. Quellen in ihren Berichten über die חסידים הראשונים als die Referate des Josephus geben nur Facta, nie aber Lehrmeinungen wüder. 3) Wenn A. den B. beauftragt, Jemanden umzubringen und B. den Mord vollbringt, so ist A. der Todesstrafe schuldig (Kidduschin 43). Diese im Namen Choni's von Sammai angeführte Meinung wird aufs entschiedenste in der ganzen talm. Halacha zurückgewiesen: es gilt in ihr die Norm ״Niemand wird ein Bote zu einer Uebertretung (׳'(אין שליח לדבר -יםידה: die Verantwortung eines Verbrechens liegt dem es vollführenden, als selbstständigem, mit Freiheit begabtem Wesen ob. Vgl. Frankel: Der gerichtliche Beweis S. 245. — Daß diese vier Halachas theilweise verworfen, theilweise von anderen Autoren bestritten werden (vgl-. Jebamot a. a. O. Jadajim 4, 3), dürfte auch dafür sprechen, daß sie nicht von dem ProphetenChaggai herstammen. Doch wollen wir, um uns von dem Gebiete der Hypothesen so weit möglich fern zu halten, an dieses Chaggai und Choni keine weiteren Schlüffe knüpfen.