Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Essäer nach talmudischen Quellen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 8)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 37 Verfolgen, wir weiter den Essäismus in manchen einzelnen Zügen. Josephus erzählt von der strengen Sabbatseier der Essäer (Skizze S. 447). Daß sie ans die Vorschriften für dm Sabbat Einfluß geübt, ist nicht nur eine sich etwa darbietende Vermuthung, sondern es sagt die Beraita (Sabbat 123 b) ausdrücklich: ״In früherer Zeit sagte inan (wurde als Norm gelehrt), nur drei Geräthe darf man am Sabbat in die Hand nehmen (sich ihrer bedienen), das Messer um dürre Feigen zu schneiden ff."; und bemerkenswert) ist hier die U-ebereinstimmung mit der Angabe des Josephus: ״sie wagen auch nicht ein Geschirr (am Sabbat) von der Stelle zu rücken" (das.). Es ist daher auch nicht unwahrscheinlich, daß manche ältere Mischna über Sabbat den Essaern ihr Entstehen verdankt^). — Auch im Eherechte begegnet man einer Mischna, die in ihrem Nigorismus ein essäisches Gepräge zeigt und. wohl den Essaern zu vindiciren ist. KetuboL 64 b wird festgesetzt, was der Gatte, der seine Frau durch einen Dritten versorgen läßt, d. i. der von seiner Frau abgeschieden Lebt und ihr ihre Bedürfnisse durch einen Dritten Übermacht, derselben an Lebensmitteln und Kleidern verabreichen muß. Diese Mischna stehet ganz isolirt; es wird nicht durch eine vorhergehende oder nachfolgende Mischna auf ste hingedeutet; diese Disciplin wird an keiner andern Stelle berührt und stehet mit dem ehelichen Leben, wie es in Mischna und Beraita und sonstigen tälmudischen Quellen besprochen wird, durchaus nicht in Einklang. Es ergibt sich sogar aus einer andern Mischna ein directer Widerspruch: die Frau kann, wird Ketnbot7, 1 bestimmt, von dem Gatten, der sich Derartiges beigehen läßt, den Scheidebrief verlangen''). Nach dem was jedoch Josephus und Philo von dem ehelichen Leben der Essäer erzählen, findet diese befremdende Mischna ihre Erklärung : sie ist aus dem Schoße des Essäismus hervorgegangen. Wir haben bisher Facta wahrgenommen: um so größeres Interesse dürsten die Lehren eines berühmten frühen effäischen Lehrers erregen. Der Prophet Chaggai חגי הנביא wird an einigen Stellen als Normen feftsetzend angeführt, und zwar in einer Weise, als hätte er nicht lange vor dem ihn anführenden Autor gelebt. So trägt (Kidduschin 43 a) der unter Herodes lebende Sammai eine Lehre wegen (משום) oder im ü) Ueber das ״in früherer Zeit" und die vom Talmud hierzu gegebene Erklärung wird noch weiter gesprochen werden. Auch andere Sabbatgefetze, wie ״Erubin", werden vom Talmud auf frühe Zeit zurückgeführt, und dürften auch sie einen solchen Ursprung haben. — Von einem חסיד Essäer wird eine überstrenge Beobachtung eines Sabbatgesetzes (Sabbat 150 b) erzählt. 7) Vgl. jer. Lalm. zu Ketubot 7, 1 langeführt bei N. Ascher aä 100.), der diesen Widerspruch rügt.