Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Essäer nach talmudischen Quellen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 7)
- Language
- German
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36. Wissenschaftliche Aussätze. weiset dort aus eine dem Wesen des Effäismus entsprechende Wirksamkeit hin.׳ Die Effäer beschäftigten sich nach dem Berichte des Josephus (Skizze S. 446) mit der Heilkunde. In wie fern sie diese aus die in der Schrift (Levit. K. 13 ff.) erwähnten Krankheiten anwendeten und ob sie gerade vielleicht hierin den ersten Anstoß zum Studium der. Heilkünde fanden, ihre medieinische Beschäftigung also aus einem frommen Motiv hervorging, ist um so schwieriger zu erörtern, als die Reinsprechung den Priestern oblag, und es erst der genauen Untersuchung bedürfte, wie tief der Effäismus im Priesterthum Wurzel gefaßt. Nur möge erwähnt werden, daß wenn.auch die Reinsprechung. durch den Mund des Priesters erfolgen mußte, der Gelehrte den Aussatz besehen und dem Priester hierüber Bescheid geben konnte (Negaün 3,-1); und wenn ferner Josephus (a. a. O.) sagt, daß die Essäer die Eigenthümlichkeiteu -er Steine untersuchen, so scheint dieses ganz in Verbindung mit Levit. 14, 33 ff. gebracht werden zu müssen3 4). — Das medic. Studium fand aber auch einen weiten Spielraum bei den Opserthiereu, in wie fern nämlich ein Leibesfehler (Levit. 22, 22 ff.) sie unfähig zum Opfer mache; vorzüglich aber bei den. erstgebornen männlichen Thieren, die nur Nichtpriester zu untersuchen und ob ein wirklicher Fehler sich finde zu erklären hatten^). Von. dieser Untersuchung sagt die Mischna (Bechorot 5, 15), ״daß über in die Augen fallende Fehler auch drei Bene Hakeneset entscheiden können". Dieses Bene HakeneseL wurde für Idioten genommen, es fehlt aber auch hier jede Erklärung. Nach obiger AuseinanderseHung bietet-sie sich von selbst dar. Die Effäer waren durch ihre Beschäftigung mit der Heilkunde die eigentlichen Untersucher für die Fehlerhaftigkeit, jedoch nur die Effäer des höhern Grades, nicht aber die Bene Hakeneset, d. u die des untern Grades, aus dieser fingen sie erst an sich mit dieser Kunde zu befassen: doch war ihnen gestattet, in Gemeinschaft von Dreien über offenbare Fehler zu entscheiden. — Es möge hier noch erwähnt werden, daß N. Jose b. Hamschullam ein Mitglied der **קהלא יקדיש (vor. Jahrg. S. 40), also ein Essäer (vgl. oben S. 31), sich zumeist über den Bechor (das erstgeborne männliche Thier) ausspricht (Bechorot 3, 3. 6, l)5); daß es ferner noch in späterer Zeit als vorzüglicher Ehrenrang angesehen wurde, über die gedachte Fehlerhaftigkeit entscheiden zu dürfen und man hierzu die besondere Erlgubniß des Nasi einholen mußte (Synhedrin 5). 3) Die Normen über Aussatz ff. sind, wie aus Negäün 9,3 zu ersehen, sehr alt. 4) : Die Priester standen in Verdacht, daß sie, da das fehlerhafte Erstgeborne ihnen ganz gehörte, nicht aufrichtig zu Werke gehen. Bechorot häufig und sonst. 5) Dieser R. Jose spricht auch über levit. Reinhaltung der Speisen. Vgl. Losefta Demai e. 3.