Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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Jahresschaii. 21 frühen Jugend cinzuwirkcn? Liegt doch hierin der schönste Triumph des religiösen Wissens, daß wir zu dem Gcmüthe des Kindes hinabsieigen und den dort schlummernden ReligionSfunken tvccken, Sorge tragen, daß im Kinde Liebe und Begeisterung für den Glauben wach gerirfen werden! Den Rabbinern sowohl größerer als kleinerer Gemeinden liegt Bethcilignng an dem frühen Religionsunterrichte ob: die Rabbiner kleinerer Gemeinden haben noch die besondere Verpflichtung, die aus der Schule getretene Jugend weiter zu leiten und sie mit den Schriften der frühereil Weisen bekannt zu machen, auf daß nicht das dem Wesen des Judenthnms fremde Laienthum in fctucm die Zukunft bedrohenden Umfang anfkomme. Sie haben aber noch eine andere nicht minder heilige Aufgabe zu erfüllen. Wo sic Anlagen und Neigung zn tieferem Eingehen finden, da sollen sie der weitern Entwickelung des jungen Menschen ihre Aufmerksamkeit widmen, und die ernste tägliche Beschäftigung mit ihm zum Licblingsberufe machen. Dieser Bereitwilligkeit werden zwar selten Bemittelte mit ihren Kindern cntgcgeukommen; aber schon die alten Lehrer mahnten: „wendet eure Sorgfalt auf die Söhne der Armen, dem: von ihnen geht die Lehre ans". Die Rabbiner kleinerer Gemeinden sollen für die Lehranstalt (Seminar) vorbereiten: und wenn nur zwei, wenn nur ein Jüngling durch sie seine erste Reife erlangte, so war ihre Leistung eine gesegnete, haben sie bcigetragen den Namen Israels zu erhalten. Mögen also die Rabbiner sich für das große Vorhaben begeistern : in ihre Hand ist jetzt mehr als je das Schicksal des Judenthnms gelegt. Der Unterzeichnete hat im tiefsten Drange seines Herzens gesprochen: er trägt jahrelang den Gedanken an ein Seminar mit sich herum; der trostlose Anblick des sich stets mehr vermindernden Lehreus und Lernens trübte seine schönsten Tage und ließ ihn, wie er auch seine Gefühle zn unterdrücken suchte, nicht zur Beruhigung kommen. Die tröstende Verheißung: „Meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, werden nicht tveichen aus deinem Munde und dem Munde deiner Nachkommen u. s. w." deutet nicht auf ein frommes Nichtsthnn hin, sondern enthält die Mahnung, kräftig und rüstig in Gottesvertrauen zu unternehmen. Der Unterzeichnete hat Manches zur Verwirklichung des so heiß Ersehnten versucht, .und er ist durch Erfahrung zu der Ucberzeugung gelaugt, daß nirgends Hülfe als in den Rabbinern selbst sei. Darum nochmals fein Aufruf, den er im Gefühle, daß er für Gott, für Glauben ist, frei und ohne