Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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22 Briese aus Prag. Furcht auSspricht: „die Rabbiner großer Gemeinden müssen beginnen, müssen Hand ans Werk legen". Sie müssen die Aufgabe der Zeit begreifen; denn wird sie auch von den Rabbinern, den eigentlichen Bürgen und Wahrer» des Glaubens hintangesetzt, wer soll für ihn cintreten? Beginnen — ein längeres Zusehen ruft eine große Schuld herab —, muthig beginnen, vom kleinen Anfang. „Wie die Morgenröthe allmälig anbricht, das Licht nach und nach hervorstrahlt, bis der Horizont sich in einem' Lichtmeer badet, so tritt Israels Hoffnung — und was in ihm Großes — allmälig hervor, bis es sich zu Erfreulichem und Hervorragendem entwickelt" (jer. Berachot 2). Der Anfang werde gemacht, der Anschluß einiger Edlen ist sicher: cs tverden dann auch Begüterte und Gemeinden zu weiterer, vollendeterer Ausführung die Hand bieten: beginnt, ehe die Sonne untergeht, beginnt und es werde kund, daß noch geistige Kraft in Israel, noch in ihm Selbstständigkeit sei, den Abend in lichtvollen Morgen zu umwandeln. Frankel. Briefe aus Prag» I. Ihre Zeitschrift brachte im vorigen Jahrgange Briefe aus überseeischen und überrheinischen Ländern: Britannien sprach mit seinem stolzen Selbstbewußtsein, und ihm stellte sich rivälisirend, wie in der Weltgeschichte, Frankreich zur Seite. Aus Deutschland ließ sich bis auf wenige Mittheilungen keine Stimme vernehmen: sollte aus ihm das Leben geschwunden sein, oder stehet es an, ein Zeichen des Lebens zu geben, weil es nur von Siechthum erzählen müßte? Das Eine wie das Andere muß entschieden verneint werden; es scheint vielmehr, daß die etwas zu weit getriebene Bescheidenheit des Deutschen hierfür zur Verantwortlichkeit zu ziehen sei. Der Deutsche wiegt zu scrupulös ab, findet immer an sich zu tadeln und wagt daher nicht über sich zu sprechen. Es kann mit Recht behauptet werden, daß diese grübelnde Bedenklichkeit mit beigetragen hat, das Bewußtsein des Deutschen niederzudrücken; F. C. von Moser bediente sich hierfür des Ausdrucks: deutsche Hundesdemuth; und Goethe sprach den Vorwurf aus: nur Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Thai. Es wird wahrlich auch an uns manche gute, der Mittheilung würdige Seite aufzufinden sein; und sollte selbst der Bericht nur Vorwurfvolles enthalten, so ist er auch noch in dieser Gestalt dem sich selbst verdammenden Schweigen vorzuziehen: das Wort