Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
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JalMschau. 19 ebensowenig läßt es sich bei seinen Unternehmungen für Gott durch ängstliche Rücksichten auf äußere Sicherstellung beirren. Es legt in höherm Vertrauen Hand ans Werk, und vertrauet daß es in h'öhcrm Schutz fort- und ausführen werde. „Nicht durch Vermögen und nicht durch Macht, sondern in meinem Geiste, spricht der Ewige der Heerschaaren." Darum darf nicht bei der Gründung eines Seminars das Bild der bei anderen Confessionen sich findenden derartigen Anstalten vorschwebeu: eine Verwirklichung in diesem Sinne abwarten wollen ist nur ein schwach verhülltes, einem völligen Aufgeben gleichkommcndes bequemes Aufschicben. Behalten wir den bescheidenen Namen bei, den unsere Großes leistenden Vorfahren brauchten: „Lehrzimmer, Lehranstalt". Eine Lehranstalt, in der die Glaubenswissenschaft den ersten und vorzüglichsten Rang cinnehme, aber auch die allgemeine Wissenschaft die ihr gebührende Stellung finde. U n d eine f o l ch e R e a l i si r u n g liegt den Rabbinern groß er G cmcind cn ob, und sie werden sie bei e r n st e m h e i l ig e m Willen fi n d en. Die Seele, der Mittelpunkt sei der Rabbiner. Er selbst lehre mehrere Stunden des Tages, wie es unsere Alten thaten: lehre nicht in einer Stunde „wo nicht Tag und nicht Nacht", und in aller Hast eine oder zwei Seiten flüchtig durchgelescn werden: er führe die Lehrlinge ein, daß sie in die Tiefe der Halacha (rwVn bw poiy^) hinabstcigen, den Geist auffassen und sich in ihn versenken. Auch die höhere wissenschaftliche Einleitung und die Exegese sollen hier ihren Platz haben: kn größeren Gemeinden wird es nicht schwer fallen, noch manche andere Kraft ausfindig zu machen; die Direction und das eigentliche Lehramt fei jedoch durch den Rabbiner vertreten. Für die externen Wissenschaften werden ein oder zwei Hülsslehrcr herbeigerufen, durch die die Jünglinge befähigt werden einst die Universität zu besuchen. Die Erfahrung bestätigt hinlänglich, was schon der erste Einblick in die jüdische Wissenschaft sagt, daß, soll sie gründlich erfaßt werden, ihr die früheren Jugendjahre gewidmet sein müssen: und wie soll sie sich mit den wenigen Stunden, die beim Gymnasialbesuche erübrigt werden, begnügen? wie der durch vielstündkgen Schulbesuch und Hausarbeiten abgespannte Geist die von ihr erheischte lebendige Frische finden? Es ist daher eine unbedingt unabweisbare Forderung, daß das „Lehrzimmer" auch die Gymuafialkcnntnisse biete *). 4) Auf das Nähere der Anterrichtsweise und wie das Seminar bei dem Besuche der Universität noch fortwirken soll, kann hier nicht eingegangen werden. ' 2*