Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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18 Jahresschan. den Ueb ergänz zur Bildung von Scminaricn zu finden, die Stellung des heutigen Rabbiners. Das alte „die ganze Welt wird erhalten ob meines Sohnes Chanina, und mein Sohn Chanina muß sich mit einem Maas; Rüben von einem Rüsttag des Sabbats bis zürn andern begnügen", wird von den wenigsten Gemeinden setzt mehr zur Richtschnur bei der Anstellung eines Rabbiners genommen. Der jetzige Rabbiner hat dieses vor dem früher« voraus, daß er wenigstens ein leidliches Auskommen findet. Und zu seiner höchst dürftigen Stellung mußte sich der frühere Rabbiner den Weg durch anerkannte Gelehrsamkeit Lahnen: eine Forderung zu der, wie zu hoffe» ist, jede vernünftige Gemeinde, der cs um das Wohl des Glaubens wahrhaft zu thun ist, bald zurückkommen wird; die s. g. „Schönrednerei-Epoche" wird bald überwunden sein. Da lag nun dem Rabbiner ob, rituelle Fragen zu beantworten; ferner hatte er das höchst schwierige Geschäft, sein Urtheil über Civilrechtsfälle (mim w) abzugeben, und neben oder vielmehr über diesen Zweigen seiner Thätigkeit stand die sich freudig auferlegte Verpflichtung, die Jugend entweder in größeren Kreisen zu belehren (n:w> NOM), oder wenigstens einige Jünglinge um sich zu sammeln. Der Rabbiner unserer Zeit erliegt wahrlich nicht dem Drucke der an ihn gerichteten rituellen Fragen , und die Entscheidung in Civilfällen gelangt gar nicht mehr an ihn. Kann er nun auf die. letzte, in unserer Zeit noch bedeutungsvollere Aufgabe seines Berufes, die Belehrung der Jugend, verzichten? Die jetzt etwas gesteigerte Forderung öffentlicher Vorträge vcrinag nicht den Beruf ausznfüllen, und seinen Antheil an Gemeindeangelegenheiten theilte der frühere Rabbiner in oft noch verdrießlicherem Maße. Wohl darf nicht in Abrede gestellt werden, daß in der Jetztzeit der fähige- und wahrhaft für den Glauben begeisterte Rabbiner gleichsam der Träger und Repräsentant des religiösen Lebens der Gemeinde ist, durch ihn nicht selten die Gemeinde erst zum religiösen Bewußtsein kommt und in ihm Halt und Zusammenhang findet. Doch vermindert nicht diese Stellung die Verpflichtung, die Jugend zu unterrichten und zu belehren, an Aufopferung und Hingebung nicht hinter jenen, ihren Pflichtkreis mit der äußersten Anstrengung ausfüllenden Vorgängern zurückzustehen. An dem Vorbild dieser Vorgänger soll nun der Plan ins Leben zu rufender Seminare reifen. Das Judenthum gefällt sich nicht an mit Pomp und Aufsehen erstehenden Anstalten, und