Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829150-2829152-2842643--00765-2842674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahresschau. 17 biner, so sie ihrer Pflicht treu und eingedenk sind, müssen Seminarien ins Leben rufen. Samuel und Elischa bildeten Prophetenschulen und sammelten um sich Prophetcnschüler, und warteten nicht, bis die Reichen ihr Geld hergaben und Stellen schufen! Und wir brauchen nicht bis zu jener alten Zeit hinaufzusteigen, brauchen sogar nicht Rab in Erinnerung zu bringen, der, als er bei seiner Ankunft in Babylon Vieles auf dem Glaubensgebiete wüst und öde fand, der Wissenschaft eine weite und nachhaltige Statte errichtete, ohne hierzu das Habe der Begüterten in Anspruch zu nehmen. Wir schiveigen von diesen frühen Vorbildern: die Geschichte noch nicht lange dahingegangener Jahrhunderte spricht hörbar genug, wie die Rabbiner in ihrer geistigen Kraft Quelle und Mittel zur Errichtung von Lehrschulcn fanden. Es haben wohl die Umstände Manches geändert und hat die Bildung eine neue Richtung genommen: die Weise der früheren Jeschibo t reicht nicht mehr ans, es muß dem allgemeinen Standpunkte der Wissenschaft Rechnung getragen werden. Aber gerade hierin bewährt sich die geistige Kraft, daß sie sich die äußeren Umstände zu accomodiren tveiß, sie mit überwältigender Macht in ihren Kreis zieht und zu Materialien neuer Schöpfungen verarbeitet. Der schnöde Zweifel, ob das Judenthum mit der Wissenschaft Hand in Hand gehen könne, ist durch Männer, die bei gründlicher gediegener Bildung von des Judenthums göttlichem Werth und Dauer durchdrungen sind und es mit der innigsten Wärme vertreten, glücklich beseitigt. Daß also ein Seminar die Lösung der wissenschaftlichen Aufgabe sinden werde, kann mit vollem Rechte vorausgesetzt, und mit nicht geringerm Rechte Vieles den in der weitern Entwickelung sich ergebenden Erfahrungen überlassen bleiben. Nur das Wie des ins Lebcnrufen, wie die Rabbiner Seminarien schaffen sollen, ist eine, wie es scheint, nicht zu beantwortende Frage: und doch müssen die Rabbiner die Antwort auffinden, sie, die bei der allgemeinen Thcilnahmlosigkeit eine um so lebendigere Theilnahme bekunden und, begeistert von dem Göttlichen ihres Berufes, in ihrer Begeisterung neue Wege bahnen sollen, sic müssen der Gegenwart ein großes Zeichen geben, daß in ihnen eine selbstständige geistige Kraft, und sie selbstständig zu schaffen vermögen. Betrachten wir, um uns die Größe einer solchen Verpflichtung noch mehr zu vergegenwärtigen und von ihr aus allmälig Frankel, Monatsschrift II, Z