Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jahresschau
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Jahresschau. Propheten sein" dieser von dem ersten Lehrer ausgesprochene Wunsch war die Losung aller auf ihn folgenden Lehrer : allgemeine Kciintuiß des Wortes Gottes war ihr eigentlichstes Ziel. Und dieser Endpunkt jüdischen Lebens und jüdischen Wissens muß dem Bewußtsein aller Geschlechter gegenwärtig bleiben. ES war eine Zeit des Wehes und des schweren Unglückes, sagt eine alte Erklärung/als Achas,König von Jehuda, in seinein Abfalle von Gott die Lehrhäuser schließen ließ: „ohne Heerde gibt cs nicht Hirten, ohne Schüler nicht Lehrer". Da trat der Prophet Jesaias tröstend auf: „Siehe, da bin ich und die Kinder, die der Ewige mir gab, die Kinder — die Schüler" (Beresch. rab. c. 42 und sonst). Er wußte auch in der harten Zeit Schulen zu errichten und Schüler um sich zu sammeln, sie für das Wort Gottes zu begeistern und es in ihre treue Brust als heiliges Pfand niederzulegen, bis eine bessere Zeit kam und auf den von Gott abgefallenen Achas der fromme Chiskijahu folgte „und man von Dan bis Becr-Scheba forschte und Jedermann, von Groß bis Klein, mit dem Worte Gottes vertrant fand". An die Lehrer richtet sich jetzt mehr als je die Forderung der Zeit. Sie sollen durch die Wissenschaft Pfleger des Glaubens sein, aber nur insofern sie die Wissenschaft zum Gemeingut machen, Sorge tragen, daß sie weitern Geschlechtern übergeben wird: sie sollen um sich Schüler sammeln, die das Wort und dessen Verständniß' aus ihrem Munde schöpfen. Es wird bis znm Ueberdruß über die Gleichgültigkeit der Zeit und über den Verfall des Judenthums geklagt: haben denn auch Die in den Riß sich stellen sollen schon ihre Pflicht gethan? . Es war der alten Zeit ekgenthümlich, die Lehrer als die Vertreter Israels anzusehen. Der „Fürst" war ihr der Vorsitzende des Shuhcdrinms; in den frommen Königen nahm sie zugleich große Lehrer wahr, deren gewöhnliche Beschäftigung die Lösung wichtiger Religionsfragen. Die Lehrer sollen die Großen sein, nicht in ^hierarchischer Beziehung, sondern indem sie die religiösen Interessen wahren und fördern : Israels Leben und Volksthum ist ausschließlich ein religiöses, darum liegt, wie im staatlichen Leben den Fürsten und Großen, den Lehrern die Ueberwachuiig und Erhaltung ob. Diese Forderung kommt in unseren Tagen zum eigentlichen Bewußtsein. In früherer Zeit war -jedes einzelne Glied der großen und kleinen Gemeinden von religiösem Gefühle belebt, Jedermann „athmete in der Furcht des Ewigen". Da gab cs nur ein Verdienst: „zu forschen im